STAR-Umfrage: Große Einkommensunterschiede zwischen Ost und West und zwischen den Geschlechtern

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Mit ihrer beruflichen und wirtschaftlichen Lage ist die große Mehrheit der
Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte zufrieden. Das geht aus dem Statistischen
Berichtssystem für Rechtsanwälte (STAR) 2018 hervor, für den das Institut für Freie
Berufe insgesamt 24.304 Berufsträger zum Wirtschaftsjahr 2016 befragt hat. Erste
Ergebnisse hat die Bundesrechtsanwaltskammer in den BRAK Mitteilungen bereits veröffentlicht.

Wie bereits in den vorherigen Befragungen wird auch in der aktuellen deutlich, dass
die Höhe des Umsatzes und des Gewinns entscheidend von verschiedenen Faktoren
abhängt. Dazu zählen vor allem Standort, Kanzleigröße, Spezialisierung, aber vor
allem auch das Geschlecht. Nach wie vor wird in der ostdeutschen Anwaltschaft im
Durchschnitt weniger verdient als in der westdeutschen. So betrugen die
persönlichen Honorarumsätze in den Sozietäten im ganzen Bundesgebiet im Jahr
2016 im Mittel 244.000 Euro, wobei sie in Westdeutschland bei durchschnittlich
264.000 Euro und in Ostdeutschland bei 176.000 Euro lagen. Der durchschnittliche
Gewinn in den Sozietäten wurde mit 134.000 Euro angegeben, für Sozietäten im
Westen mit 142.000 Euro und im Osten mit 109.000 Euro.

Eine deutliche Diskrepanz offenbart der STAR-Bericht ebenfalls bei den
Geschlechtern: Anwältinnen nannten einen durchschnittlichen Honorarumsatz von
175.000 Euro und einen Gewinn von 88.000 Euro, die Männer hingegen einen
Umsatz von 259.000 Euro und einen Gewinn von 145.000 Euro.
Ganz ähnlich verhält es sich, wenn der Umsatz und Gewinn von Einzelkanzleien
betrachtet wird, in denen immerhin 67,9 Prozent der befragten selbständigen
Berufsträger tätig sind. Zwar setzen ostdeutsche Einzelanwälte im Durchschnitt
etwas mehr um als die westdeutschen. Beim Überschuss ergibt sich jedoch wieder
das West-Ost-Gefälle. Während für das ganze Bundesgebiet ein mittlerer
Überschuss von 73.000 Euro angegeben wird, liegt er in den neuen Bundesländern
bei 55.000 Euro und in den alten bei 80.000 Euro. Differenziert nach Geschlechtern
ergibt sich das bekannte Muster: Einzelanwältinnen geben einen durchschnittlichen
Kanzleiüberschuss von 59.000 Euro an, bei den männlichen Kollegen liegt er um
20.000 Euro höher. Das mag auch daran liegen, dass die männlichen Kollegen im
Durchschnitt 44,7 Stunden in der Woche arbeiten, die Frauen hingegen 38,4
Stunden.

Wie der jüngste STAR-Bericht zeigt, werden Umsatz und Gewinn aber auch
signifikant von der Spezialisierung beeinflusst. In Sozietäten kommen Berufsträger
mit Spezialisierung oder Fachanwaltstitel auf einen durchschnittlichen persönlichen
Honorarumsatz von mindestens 239.000 Euro, Berufsträger ohne diese weitere
Qualifikation nur auf 144.000 Euro. Der Überschuss über alle Kanzleien hinweg
bestätigt das: Er liegt bei Kanzleien mit Spezialisierung oder Fachanwaltschaften bei
225.000 Euro, bei den generalistisch ausgerichteten nur bei 74.000 Euro.
Erstmals hat das Institut für Freie Berufe die Teilnehmer auch dazu befragt, inwieweit
sie sich als Schiedsrichter oder Mediatoren engagieren. Das Ergebnis zeigt, dass
diese Form außergerichtlicher Streitbeilegung bislang noch keine große Rolle spielt.
Nur 4,2 der Befragten waren der Befragung zufolge als Mediator aktiv, wobei der
Anteil der Frauen mit 6,5 Prozent höher war als bei den Männern mit 2,9 Prozent. Als
Schiedsrichter engagierten sich nur 1,2 Prozent, davon 0,5 Prozent Anwältinnen und
1,7 Prozent Anwälte.