{"id":40772,"date":"2019-10-17T15:48:43","date_gmt":"2019-10-17T13:48:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soldan.de\/insights\/?p=40772"},"modified":"2019-10-17T15:55:18","modified_gmt":"2019-10-17T13:55:18","slug":"legal-tech-auf-dem-pruefstand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.soldan.de\/insights\/legal-tech-auf-dem-pruefstand\/","title":{"rendered":"Legal Tech auf dem Pr\u00fcfstand"},"content":{"rendered":"<p><strong>Rechtsprechung und Gesetzgebung befassen sich mit automatisierter Rechtsdienstleistung<\/strong><\/p>\n<p>Die Diskussion um Legal Tech hat in den vergangenen Wochen an Dynamik gewonnen. Im Zentrum steht die Frage, ob automatisierte Rechtsdienstleistungen, die sich vornehmlich an Verbraucher richten, mit dem Rechtsdienstleistungsgesetz vereinbar sind. Es sind vor allem die Anwaltskammern, die auf eine rechtliche Kl\u00e4rung dr\u00e4ngen. Sie kritisieren, dass die neuen Anbieter zwar \u00e4hnliche Leistungen wie ein Anwalt erbringen, aber wesentlich weniger Einschr\u00e4nkungen unterworfen sind \u2013 zum Nachteil der Rechtssuchenden.<\/p>\n<p>Mit Spannung wird deshalb die Entscheidung des Bundesgerichtshofs \u00fcber das Angebot des Berliner Legal Tech-Unternehmens LexFox (vormals Mietright) erwartet (Az.: VIII ZR 285\/18). \u00dcber das von ihm betriebene Online-Portal wenigermiete.de k\u00f6nnen Mieter ihre Rechte und Anspr\u00fcche aus den Vorschriften zur Mietpreisbremse durchsetzen, sich gegen Mieterh\u00f6hungen wehren oder die Klauseln zu Sch\u00f6nheitsreparaturen in ihren Mietvertr\u00e4gen \u00fcberpr\u00fcfen lassen. LexFox ist beim Berliner Kammergericht als Inkasso-Unternehmen registriert. Als solches darf es die Forderungen im Auftrag der Kunden geltend machen und daf\u00fcr Provisionen verlangen. In dem Verfahren vor dem Bundesgerichtshof geht es nun um die Frage, ob die T\u00e4tigkeit des Unternehmens \u00fcberhaupt noch von der Inkassoerlaubnis gedeckt ist oder ob es sich dabei nicht vielmehr um eine Rechtsberatung im Sinne des Rechtsdienstleistungsgesetzes mit angeschlossener Inkassodienstleistung handelt. LexFox-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Dr. Daniel Halmer \u00e4u\u00dferte sich kurz nach der Verhandlung vor dem Bundesgerichtshof am 26.10.2019 zuversichtlich. Die Richter h\u00e4tten eine liberale Auslegung des Rechtsdienstleistungsgesetzes signalisiert. Angebote wie die von wenigermiete.de geh\u00f6rten zu einem modernen Rechtsstaat dazu. Wie sie letztlich entscheiden wird sich erst am 27.11.2019 zeigen. F\u00fcr diesen Tag ist die Verk\u00fcndung jetzt terminiert.<\/p>\n<p><strong>LG K\u00f6ln: smartlaw verst\u00f6\u00dft gegen Rechtsdienstleistungsgesetz<\/strong><\/p>\n<p>Weniger aufgeschlossen gegen\u00fcber neuen L\u00f6sungen f\u00fcr Rechtssuchende hat sich dagegen das Landgericht K\u00f6ln in seiner k\u00fcrzlich gegen smartlaw ergangenen Entscheidung gezeigt (Az.: 33 O 35\/19 vom 8.10.2019). Das Unternehmen bietet Rechtssuchenden \u00fcber ein automatisiertes Frage- und Antwortsystem Rechtsdokumente an. Die K\u00f6lner Richter sahen darin eine unzul\u00e4ssige Rechtsdienstleistung und damit einen Versto\u00df gegen das Rechtsdienstleistungsgesetz.<\/p>\n<p>Sobald \u201eeine T\u00e4tigkeit in konkreten fremden Angelegenheiten\u201c eine rechtliche Pr\u00fcfung des Einzelfalls erfordert, bleibt sie nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz der Anwaltschaft vorbehalten. Dies gelte f\u00fcr die Aufstellung von Vertr\u00e4gen. Die Richter folgten damit der Auffassung der Hanseatischen Anwaltskammer, die die Klage angestrengt hatte. \u201eBei der Gestaltung rechtssicherer und interessensgerechter Vertr\u00e4ge muss in der Regel in Zusammenarbeit mit der Mandantschaft der ma\u00dfgebliche Sachverhalt gekl\u00e4rt und gepr\u00fcft werden, ob die von der Mandantschaft gestellten Fragen zur Vertragsgestaltung den Sachverhalt wirklich aussch\u00f6pfen\u201c, argumentiert die Kammer in ihrer Presseerkl\u00e4rung. Ein Computer k\u00f6nne das jedoch nicht.<\/p>\n<p>Wolters Kluwer Deutschland, f\u00fchrender Anbieter von Fachinformationen, Software und Services im Bereich Recht, Wirtschaft, Steuern, zu dem auch smartlaw geh\u00f6rt, h\u00e4lt dagegen: Bei smartlaw handele sich um \u201eein intelligentes und digital nutzbares Angebot, das sich an Privatpersonen und kleinere\/mittlere Unternehmen richte und eine Vielzahl standardisierbarer F\u00e4lle zur Vertrags- und Dokumentenerstellung\u201c abdecke, hei\u00dft es in der Pressemitteilung. Es sei \u201eeine digitale Weiterentwicklung der bereits seit Jahrzehnten in Printform angebotenen Formular- und Mustersammlungen, mit welcher der Anwender software-gest\u00fctzt selbst Vertr\u00e4ge erstellen\u201c k\u00f6nne. Nach Ansicht von Kristina Schle\u00df, Head of Legal &amp; Compliance bei Wolters Kluwer Deutschland, erf\u00fclle smartlaw deshalb auch nicht den Tatbestand der Rechtsdienstleistung im Sinne des \u00a73 des Rechtsdienstleistungsgesetzes. Wolters Kluwer hat bereits angek\u00fcndigt, gegen das Urteil Berufung einzulegen.<\/p>\n<p><strong>Gesetzgeber befasst sich mit Regulierung von Legal Tech<\/strong><\/p>\n<p>Parallel zu den Gerichten besch\u00e4ftigt sich auch der Gesetzgeber mit den Legal Techs: So ber\u00fchrt ein Referentenentwurf, den das Bundesministerium f\u00fcr Justiz und Verbraucherschutz zur Reform des Inkassorechts k\u00fcrzlich vorgelegt hat, am Rande auch Legal Tech-Unternehmen, wenn sie als Inkassodienstleister zugelassen sind. Geplant sind beispielsweise neue Vorschriften bei der Registrierung solcher Legal Techs. Nach dem Referentenentwurf sollen sie nicht ohne weiteres ihren Sitz verlegen k\u00f6nnen und sich bei der dort zust\u00e4ndigen Beh\u00f6rde registrieren lassen, wenn ihr Antrag zuvor schon an dem urspr\u00fcnglichen Sitz abgelehnt worden ist. Die neue Beh\u00f6rde muss dann zumindest \u00fcber diesen Vorgang informiert werden.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus sollen die Aufsichtsbeh\u00f6rden k\u00fcnftig mehr Rechte erhalten. Sie k\u00f6nnen &#8211; dem Gesetzentwurf zufolge &#8211; k\u00fcnftig anordnen, ein bestimmtes Verhalten zu unterlassen. Solche Anordnungen sollen insbesondere zur Entscheidung einer Rechtsfrage von grunds\u00e4tzlicher Bedeutung oder bei einem erheblichen oder wiederholten Versto\u00df gegen Rechtsvorschriften in Betracht kommen. Das k\u00f6nnte allerdings bedeuten, dass die Aufsichtsbeh\u00f6rden entscheiden, dass Legal Tech-Unternehmen bestimmte Angebote zu unterlassen haben, wenn noch keine h\u00f6chstrichterliche Entscheidung dazu ergangen ist.<\/p>\n<p>Kritiker sehen in diesen Reformvorhaben eine Regulierung durch die Hintert\u00fcr. Sie bef\u00fcrchten, dass Innovationen in der Rechtsberatung auf jeden Fall schwieriger werden, wenn die Reformvorhaben so beschlossen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rechtsprechung und Gesetzgebung befassen sich mit automatisierter Rechtsdienstleistung Die Diskussion um Legal Tech hat in den vergangenen Wochen an Dynamik gewonnen. Im Zentrum steht die Frage, ob automatisierte Rechtsdienstleistungen, die sich vornehmlich an Verbraucher richten, mit dem Rechtsdienstleistungsgesetz vereinbar sind. Es sind vor allem die Anwaltskammern, die auf eine rechtliche Kl\u00e4rung dr\u00e4ngen. 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