{"id":65596,"date":"2026-05-26T10:26:21","date_gmt":"2026-05-26T08:26:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soldan.de\/insights\/?p=65596"},"modified":"2026-05-26T10:26:23","modified_gmt":"2026-05-26T08:26:23","slug":"legal-ki-warum-kanzleien-beim-software-einkauf-umdenken-muessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.soldan.de\/insights\/legal-ki-warum-kanzleien-beim-software-einkauf-umdenken-muessen\/","title":{"rendered":"Legal-KI: Warum Kanzleien beim Software-Einkauf umdenken m\u00fcssen"},"content":{"rendered":"\n<p>Generative KI hat eine Reihenfolge umgekehrt, die in der Kanzleiwelt bislang verl\u00e4sslich war: Erst reift eine Technologie in Nischen, dann h\u00e4lt sie Einzug in regulierte Branchen. Wer heute Legal-KI evaluiert, bewegt sich in einer Phase, in der sich die zugrundeliegende Technologie schneller entwickelt als bei jeder vergleichbaren Innovation zuvor. Das verlangt eine andere Herangehensweise als die Auswahl klassischer Kanzleisoftware.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-eine-historisch-ungewohnliche-lage\">Eine historisch ungew\u00f6hnliche Lage<\/h2>\n\n\n\n<p>Fr\u00fchere Basistechnologien \u2013 das Internet, die Cloud, mobile Endger\u00e4te \u2013 durchliefen alle ein \u00e4hnliches Muster: Sie wurden zun\u00e4chst von Enthusiasten und technisch versierten Profis erprobt, reiften in Nischen, fanden dann ihren Weg in Unternehmen und erreichten erst zuletzt die regulierten Branchen wie die Anwaltschaft. Diese Reihenfolge bot Kanzleien einen strukturellen Vorteil: Wer abwartete, kaufte am Ende ein erprobtes Produkt mit etablierten Best Practices.<\/p>\n\n\n\n<p>Generative KI hat dieses Muster gebrochen. Innerhalb weniger Monate nach dem Start von ChatGPT hatten Fachangestellte, Anw\u00e4lt:innen und Mandantschaft gleicherma\u00dfen Zugriff \u2013 kostenlos, ohne technische H\u00fcrden, weltweit. Inzwischen nutzen laut Bitkom 67 Prozent der Bev\u00f6lkerung in Deutschland zumindest gelegentlich generative KI; die Zahl der Unternehmen, die KI einsetzen, hat sich binnen eines Jahres von 20 auf 36 Prozent fast verdoppelt. Damit ist eine Situation entstanden, die es so noch nicht gab: Ein gesamter Berufsstand wurde quasi \u00fcber Nacht zum Early Adopter einer Technologie, die sich gleichzeitig noch in der Entstehung befindet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-warum-die-ubliche-beschaffungslogik-nicht-greift\">Warum die \u00fcbliche Beschaffungslogik nicht greift<\/h2>\n\n\n\n<p>Klassische Kanzleisoftware \u2013 vom DMS \u00fcber die Buchhaltung bis zum beA \u2013 wird typischerweise mit der Erwartung von f\u00fcnf bis zehn Jahren Stabilit\u00e4t gekauft. Die Auswahl st\u00fctzt sich auf etablierte Marktstandards, klare Schulungswege und belastbare Erfahrungsberichte. Bei Legal-KI ist die Lage eine andere: Der Markt ist jung, die zugrundeliegenden Modelle entwickeln sich rasant weiter, neue Anbieter und Funktionen kommen im Monatsrhythmus hinzu. Wer abwartet, bis sich ein einheitlicher Marktstandard herausgebildet hat, verschiebt damit nicht nur die eigene Lernkurve, sondern \u00fcberl\u00e4sst das Feld jenen Kanzleien, die in dieser Phase erste Erfahrungen sammeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig w\u00e4chst der Druck von au\u00dfen. Mandant:innen fragt aktiv nach KI-Einsatz, der juristische Nachwuchs erwartet moderne Werkzeuge, und der Markt bepreist Effizienzvorteile neu. Eine aktuelle internationale Studie zeigt, dass 42 Prozent der teilnehmenden Kanzleien angeben, der Hinweis auf ihren KI-Einsatz habe ihnen geholfen, neue Mandate zu gewinnen. Wer hier z\u00f6gert, riskiert, an Kanzleien vorbei mandatiert zu werden, die bereits sichtbar mit KI arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-was-an-die-stelle-der-alten-logik-treten-muss\">Was an die Stelle der alten Logik treten muss<\/h2>\n\n\n\n<p>Aus dieser Spannung folgt kein Pl\u00e4doyer f\u00fcr blinden Aktionismus, sondern f\u00fcr eine andere Beschaffungspraxis. Drei Verschiebungen sind dabei zentral.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erstens: Pilotieren statt einf\u00fchren.&nbsp;<\/strong>Statt eines gro\u00dfen Rollouts mit anschlie\u00dfender Bindung empfiehlt sich, mit einem klar umrissenen Anwendungsfall zu beginnen \u2013 etwa der Pr\u00fcfung von NDAs in einem definierten Team \u00fcber drei bis sechs Monate. Das senkt das Risiko und liefert belastbare Erkenntnisse f\u00fcr die n\u00e4chste Stufe.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zweitens: Use Case zuerst, Tool danach.&nbsp;<\/strong>Die Frage \u201eWelche KI brauchen wir?\u201c f\u00fchrt in die Irre. Produktiver ist: \u201eWelcher Engpass in unserer Wertsch\u00f6pfung lohnt sich am ehesten zu adressieren \u2013 und welches Werkzeug passt dazu?\u201c Das macht Investitionen messbar und vermeidet die teure Anschaffung von L\u00f6sungen, die niemand wirklich nutzt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Drittens: Die ChatGPT-Erfahrung relativieren.&nbsp;<\/strong>Die private Nutzung generativer KI pr\u00e4gt Erwartungen in beide Richtungen \u2013 \u201edie kann ja alles\u201c oder \u201edie halluziniert nur\u201c. Beides ist als Ma\u00dfstab f\u00fcr spezialisierte Legal-KI ungeeignet. Hinzu kommt: Die unkontrollierte Nutzung privater KI-Tools im Kanzleialltag, die sogenannte Schatten-KI, ist laut Bitkom inzwischen in jedem vierten Unternehmen verbreitet. Sie ist Symptom eines Vakuums \u2013 wenn die Kanzlei keine geeigneten Werkzeuge bereitstellt, schaffen sich Mitarbeitende eigene.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-der-zweite-schritt-ki-auch-fur-die-nicht-early-adopter-zuganglich-machen\">Der zweite Schritt: KI auch f\u00fcr die Nicht-Early-Adopter zug\u00e4nglich machen<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein experimentierfreudiges Beschaffungsmindset ist eine Anforderung an die Kanzleif\u00fchrung. Es darf aber nicht zur stillen Voraussetzung f\u00fcr jede einzelne mitarbeitende Person werden. Wer Tools ausw\u00e4hlt, die Prompt-Expertise verlangen, schlie\u00dft den Gro\u00dfteil der Kanzlei vom tats\u00e4chlichen Nutzen aus \u2013 und reproduziert genau die Ungleichheit, die KI eigentlich aufheben sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Skalierbare Legal-KI muss daher die Entscheidungs- und Wissenslogik der Profis kodifizieren \u2013 etwa in Form von Playbooks, regelbasierten Pr\u00fcfschemata oder vordefinierten Workflows \u2013 und sie auf Knopfdruck abrufbar machen. Genau hier setzt etwa neo:sense an, das im Soldan-Portfolio verf\u00fcgbar ist: Vertragspr\u00fcfung erfolgt anhand zuvor von Profis konfigurierter Playbooks, ohne dass die anwendende Person \u00fcber vertieftes Prompt-Wissen verf\u00fcgen muss. Die juristische Qualit\u00e4t wird einmal definiert und dann reproduzierbar angewendet \u2013 auch von Mitarbeitenden, die sonst keinen direkten Bezug zu KI-Tools haben, oder von Mandantenseite im Rahmen von Sales- und Einkaufsprozessen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\" id=\"h-der-pragmatische-mittelweg\">Der pragmatische Mittelweg<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf einen vollst\u00e4ndig ausgereiften Markt zu warten, ist in dieser Phase keine vorsichtige, sondern eine teure Entscheidung. Sich kopf\u00fcber in jede neue KI-Welle zu st\u00fcrzen, ist die andere Variante desselben Fehlers. Der dritte Weg \u2013 strukturierte Pilotierung, klare Use Cases, regelbasierte Tools, die ohne KI-Spezialwissen einsetzbar sind \u2013 ist derjenige, den anwaltliche Sorgfalt und technologische Realit\u00e4t gemeinsam zulassen. Er verlangt von Kanzleien etwas Ungewohntes: die Bereitschaft, sich auf eine Technologie einzulassen, die sich kontinuierlich weiterentwickelt. Und er belohnt es mit einem Vorsprung, der sich aus der jetzigen Marktsituation f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre kaum noch aufholen lassen wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Generative KI hat eine Reihenfolge umgekehrt, die in der Kanzleiwelt bislang verl\u00e4sslich war: Erst reift eine Technologie in Nischen, dann h\u00e4lt sie Einzug in regulierte Branchen. Wer heute Legal-KI evaluiert, bewegt sich in einer Phase, in der sich die zugrundeliegende Technologie schneller entwickelt als bei jeder vergleichbaren Innovation zuvor. 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