„Der erste digitale Soldan Moot war ein guter Erfolg“

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Aufgrund der Corona-Pandemie fand der Soldan Moot Court in diesem Jahr komplett digital statt. Verhandelt wurde nur online, erst in den Vorrunden vom 30. September bis 3. Oktober 2020 und dann auch im Finale am 10. Oktober 2020. Ursprünglich war die  Finalrunde noch als Präsenzveranstaltung am Landgericht Hannover geplant gewesen. Aufgrund der steigenden Zahl der Corona-Fälle in den ersten Oktobertagen mussten sich die Organisatoren dann kurzerhand anders entscheiden. Welche besonderen Herausforderungen das Organisationsteam des 8. Soldan Moot Courts in diesem Jahr meistern musste, berichtet Prof. Dr. Christian Wolf. Der Leiter des Instituts für Prozess- und Anwaltsrecht (IPA) der Universität Hannover ist für die Organisation und wissenschaftliche Betreuung des Wettbewerbs verantwortlich.

Sind Sie zufrieden mit der Teilnehmerzahl des ersten digitalen Soldan Moots?

Prof. Dr. Christian Wolf: Es haben insgesamt 24 Teams von 11 verschiedenen Universitäten teilgenommen. Angesichts der besonderen Umstände in diesem Jahr ist das eine erfreuliche Teilnehmerzahl. Das Sommersemester 2020 fand ja als reines Onlinesemester statt. Die Fakultäten hatten Schwierigkeiten, die Studierenden zu erreichen. Da sie gar nicht an der Universität waren, war die übliche Werbung über Plakate in diesem Jahr hinfällig.

Für die Teams war die Zusammenarbeit sicherlich auch schwierig, oder?

Prof. Dr. Christian Wolf: Ja, es gab zum Teil große organisatorische Probleme. So konnten beispielsweise viele Teilnehmer die Bibliotheken nicht nutzen, weil diese gesperrt waren. Andere hatten damit zu kämpfen, dass ihre Universität ihnen zwar einen Raum zur Verfügung gestellt hatte, sie diesen aber nicht betreten durften.

Inwieweit haben Sie als Organisator die Teams beim diesjährigen Moot Court unterstützt?

Prof. Dr. Christian Wolf: Wir haben in diesem Jahr mehr Schulungsmaterial zur Verfügung gestellt. Erstmals konnten die Teilnehmer auch Fragen zum Sachverhalt stellen, die Antworten haben wir dann allen zugänglich gemacht. Zusätzlich haben wir digitale Schulungen angeboten, zum Beispiel „wie verhalte ich mich vor der Kamera“ oder im Hinblick auf die mündlichen digitalen Verhandlungen ein Online-Seminar zu Online-Verhandlungen. Auch eine Onlineveranstaltung zum Thema „Coaching für Coaches“ fand zum ersten Mal statt.

Ein Moot Court lebt neben der Arbeit aber auch gerade von der Geselligkeit. Gab es auch entsprechende digitale Angebote mit „Event“-Charakter?

Prof. Dr. Christian Wolf: Studierende beklagen sich, dass bei pandemiebedingten Studienbedingungen viele soziale Kontakte zu Kommilitoninnen und Kommilitonen nicht mehr stattfinden. Mit dem Soldan Moot Court haben wir eine ganze Reihe von Ideen entwickelt wie man den entgegenwirken kann und die vielleicht auch Anregungen für die Fakultäten sein könnten.

Auf der diesjährigen Hannoverschen Anwaltskonferenz, die traditionell den Auftakt der mündlichen Verhandlungen beim Soldan Moot bildet, haben wir zum Beispiel ein Live-Kochen veranstaltet. Während der Vortragsveranstaltung „Tour d´horizon durch das Anwaltsrecht anhand von aktuellen Fällen“ von Dr. Christian Deckenbrock und mir bereitete Koch Sascha Denz live ein Drei-Gänge-Menü mit Anleitung für die Teilnehmer zu. Zwischen Rote-Beete-Carpaccio, Spaghetti aglio e olio und einer Creme zum Nachtisch gab es jeweils etwas Input zum anwaltlichen Berufsrecht. Beim gemeinsamen Essen in virtuellen Kleingruppen konnte man sich dann austauschen.

Gibt es Formate, die Sie aus dem digitalen Moot Court vielleicht auch auf den Soldan Moot Court übertragen werden, wenn er in den nächsten Jahren hoffentlich wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden kann?

Prof. Dr. Christian Wolf: Das ist schwierig. Ich bin der Meinung, dass man Onlinekonferenzen völlig anders planen muss als Präsenzveranstaltungen. Das kann man nicht einfach 1:1 übernehmen. Das fängt zum Beispiel schon mit dem zeitlichen Rahmen an. Wir haben die mündliche Verhandlungsrunde um einen Tag verlängert, weil wir davon ausgegangen sind, dass die Teilnehmer nicht den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzen wollen.

Was ist aus Ihrer Sicht aufwändiger in der Planung: die Präsenzveranstaltung oder der digitale Moot Court?

Prof. Dr. Christian Wolf: Auf jeden Fall ist es der digitale Moot Court. Wir benötigten wesentlich mehr Hilfskräfte, allein um den technischen Support zu gewährleisten. Durch unsere akribische Vorbereitung hat die Technik zuverlässig funktioniert. Dadurch hat der Soldan Moot Court die Anwendung des § 128a ZPO vorgelebt. Mein Dank gilt allen Beteiligten.