„Die Unfallbearbeitung ist ein Massengeschäft“

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Gewinnerin des Soldan Kanzlei-Gründerpreises

Rechtsanwältin Stefanie Moser hat den 1. Platz beim Soldan Kanzlei-Gründerpreises 2021 erreicht. 2017 hat sie ihre Kanzlei Unfall-Re in Bad Wörishofen in Bayern gegründet. Der Jury imponierte, dass sich die Gründerin konsequent auf die Schadenregulierung von Kfz-Unfällen spezialisiert hat. Im Folgenden erzählt sie, wie sie sich mit ihrer Kanzlei erfolgreich in dieser Nische behauptet.

An wen wenden Sie sich mit Ihrem Geschäftsmodell?

Stefanie Moser: Zu meinen Mandanten zählen in erster Linie die Geschädigten eines unverschuldeten Verkehrsunfalls. Wir betreuen aber nicht nur den einzelnen Unfallgeschädigten, sondern arbeiten eng mit Autohäusern/Kfz Werkstätten, Kfz-Sachverständigen und Abschleppunternehmen zusammen. Wir beraten zum Beispiel Autohäuser bei der Abrechnung einzelner Rechnungspositionen im Zusammenhang mit der Reparatur und bei der Vermietung von Ersatzwagen. Wir unterstützen die Kfz-Sachverständigen dabei, dass sie zeitnah und in vollem Umfang ihr Honorar für ihr Gutachten erhalten. Somit entstehen Vorteile für alle an der Unfallregulierung Beteiligten, entsprechend unserem Slogan: „Wir regulieren – Sie profitieren.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich konsequent auf die Regulierung von Kfz-Unfällen zu spezialisieren? Waren Sie bereits auch vor der Kanzleigründung im Verkehrsrecht tätig?

Stefanie Moser: Mir hat das Verkehrsrecht schon immer Spaß gemacht. Aus der Zusammenarbeit mit einem größeren Autohaus, das immer mehr Probleme mit den Versicherungen und deren Kürzungen hatte, hat sich der erste Schritt in die Spezialisierung ergeben.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie heute in Ihrer Kanzlei? 

Stefanie Moser: Inzwischen arbeiten hier vier Mitarbeiter: eine Rechtsanwaltsfachangestellte, eine Sachbearbeiterin für Unfallregulierung, eine Jurastudentin sowie ein Informatikstudent, der sich auch um die Technik kümmert. Geplant ist, weiterhin gesund zu wachsen.

Die Jury hob es als „zukunftsfähig“ hervor, dass Sie bei der Mandatsbearbeitung in hohem Maße auf standardisierte Abläufe setzen. Wie dürfen wir uns das vorstellen?

Stefanie Moser: Die Unfallbearbeitung ist ein Massengeschäft. Gerade am Anfang eines Mandats sind die Schritte meist gleich. Daher ist es wichtig, Prozesse zu automatisieren und zu standardisieren. Wir arbeiten mit ca. 400 Textbausteinen, für sämtliche Klagearten gibt es Vorlagen. So können auch meine derzeit vier Mitarbeiter die Fälle außergerichtlich überwiegend selbstständig bearbeiten. Darüber hinaus gibt es einen Arbeitsplan, der festlegt, welche Aufgaben wann zu erledigen sind.

Wird das manchmal nicht langweilig?

Stefanie Moser: Keineswegs, denn ich bearbeite ja nicht nur Standardfälle. Es ist zwar in der Tat so, dass viele Unfälle problemlos „durchlaufen“, aber in der Masse der von uns bearbeiteten Fälle gibt es immer wieder viele Ausreißer. Da gibt es beispielsweise Unfälle mit Auslandsbezug, mit Mithaftung, mit Personenschaden, mit Radfahrern, Kindern, Hunden oder Mähdreschern und Rettungsfahrzeugen auf der Gegenseite, mit unaufklärbarem Unfallhergang, Unfälle in der Waschstraße oder mit Strafrechtsbezug (z.B. Verkehrsunfallflucht).

Wie lässt sich Ihre Tätigkeit mit der Familie vereinbaren?

Stefanie Moser: Der Vorteil der Spezialisierung auf nur ein Rechtsgebiet ist, dass ich mich kaum noch in unbekannte Themengebiete einlesen muss, was natürlich Zeit spart. Da wir in der Kanzlei digital arbeiten und keine Papierakten mehr existieren, bin ich sehr flexibel und kann von zu Hause aus arbeiten. Zudem arbeite ich sehr zügig und effektiv und da ich keine festen Anwesenheitszeiten in der Kanzlei habe, kann ich auch für die Familie da sein. Den Mandanten ist es ja letztendlich egal, wann und wo die Fälle bearbeitet werden: ob vormittags, nachmittags oder am Abend, ob von zu Hause oder der Kanzlei aus – die Hauptsache ist doch, die Unfälle werden für die Mandanten zügig, zuverlässig und kompetent reguliert.