Richter-Tools will den Arbeitsalltag von Juristen erleichtern

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Mit einer App will Prof. Dr. Jan Orth Juristen den beruflichen Alltag erleichtern. „Richter-Tools“ berechnet zuverlässig Fristen, etwa zur Kündigung/Ladung, Urteilsabsetzung, aber auch die Prozesskosten. Darüber hinaus enthält die Anwendung noch weitere verschiedene Funktionen. Sie ermittelt beispielsweise – nützlich im Familienrecht – den Empfängniszeitraum oder im Strafrecht den Strafrahmen. Seit neuestem enthält die App ebenfalls einen Messaging Dienst, der die Terminierung zwischen Richtern und beteiligten Anwälten vereinfachen soll. „Ich habe mich bei der Entwicklung von Richter-Tools gefragt, was mich in meinem Arbeitsleben ärgert,“, erklärt Prof. Dr. Jan Orth. Er ist Vorsitzender Richter am Landgericht Köln, Honorarprofessor an der Universität zu Köln und Geschäftsführer der Forschungsstelle Sportrecht.

Der Vorteil von Richter-Tools gegenüber anderen Fristenrechnern liegt vor allem darin, dass nicht nur die bloßen Fristen berechnet werden, sondern auch entsprechende Warnungen ausgegeben werden, etwa, ob das Fristende in die Schulferien, in die Karnevalszeit oder auf einen Brückentag fällt. Die App gleicht die Termine zum Beispiel mit Orths persönlichem Terminkalender, aber auch mit dem seiner Kammermitglieder ab. Das sei von großem Vorteil bei der Planung, berichtet er. An seiner eigenen Entwicklung schätzt er überdies besonders den Strafrahmenrechner und die Berechnung der Hauptverhandlungsunterbrechung.

Derzeit läuft der öffentliche Beta-Test von Richter-Tools. Hier können sich die Nutzer anmelden und die App kostenlos testen. Bislang sind das mehr als 220 Personen. Ihr Feedback ist durchweg positiv: Das System läuft sehr stabil, Abstürze kommen äußerst selten vor; auch „Kinderkrankheiten“ sind Orth bislang nicht gemeldet worden. Dafür tragen die Nutzer ganz konkrete Wünsche an ihn heran, zum Beispiel dass die App nicht nur für IOS, sondern auch für Android-Nutzer möglich sein soll.

Orth nimmt alle Anregungen auf. Wann er es schafft, sie umzusetzen wird, weiß er nicht. Denn Richter-Tools ist letztlich ein Hobby und aus seiner Faszination für das Programmieren entstanden. „Als Teenager und in meiner Studienzeit habe ich Programme geschrieben. Daran wollte ich wieder anknüpfen, gleichzeitig aber etwas Sinnvolles schaffen“, beschreibt er die Anfänge von Richter-Tools. Mit Büchern und Onlinekursen, darunter auch von der Stanford University, habe er sich auf den neuesten Stand gebracht. Jetzt arbeitet er an seiner App abends „statt fernzusehen“, so Orth. Deshalb kann er auch noch nicht sagen, wann die App ganz normal „für kleines Geld“ über einen App-Store bezogen werden kann.

Das Interesse an seiner Entwicklung ist auf jeden Fall groß und reicht weit über die ursprüngliche Zielgruppe der Richter hinaus. Rechtsanwälte, Juristen, zum Beispiel in Versicherungen, Staatsanwälte – sie alle haben sich – neben den Richterkollegen – mit der Anwendung beschäftigt. „Die Rechtsanwälte haben auch mehr Wünsche für Weiterentwicklungen angeregt“, berichtet Orth. Er hat dafür auch eine Erklärung: „Aufgrund ihrer Wettbewerbssituation haben sie sich auch schon viel stärker mit den IT- und Digitalisierungsthemen beschäftigen müssen als die Richterschaft.“ Unter Marketingaspekten sei der Name „Richter-Tools“ daher unglücklich gewählt. Spätestens wenn die App marktreif sei, müsse er an der Bezeichnung etwas verändern, meint er.