Watson stellt sich vor

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Watson, die künstliche Intelligenz von IBM, ist benannt nach dem ersten Generalbevollmächtigten des Unternehmens Thomas J. Watson. Watson ist kein teurer „Supercomputer“, sondern eine Reihe KI-basierter Services, auf die jeder über die IBM Cloud zugreifen kann. Dazu gehören Services zur Sprach-, Bild- oder Textanalyse, Übersetzung oder intelligente Assistenten, die Anwender für ihre speziellen Belange trainieren und kombinieren können. Watson verwendet zum Training der Services eine Kombination aus Deep Learning, also der Nutzung künstlicher neuronaler Netze, und Machine Learning.

Dass Computer Zusammenhänge herstellen, verschiedene Wissensgebiete miteinander verknüpfen und sogar „um die Ecke denken können“, bewies Watson einer staunenden Öffentlichkeit im Jahr 2011. Damals schlug er in der Quizshow Jeopardy, bei der die Kandidaten zu einer Antwort die passende Frage finden müssen, seine menschlichen Herausforderer.

In den Folgejahren hat IBM die Fähigkeiten Watsons zum Verständnis menschlicher Sprache mit all ihren Mehrdeutigkeiten in einer Reihe von Anwendungsfeldern verfügbar gemacht. Watson Systeme helfen Ärzten bei der Diagnose, unterstützen Experten in den verschiedensten Branchen dabei, Entscheidungen zu treffen und stellen die Intelligenz im Hintergrund vieler Sprachassistenten, denen wir im Netz begegnen, wenn wir als Verbraucher Hilfe suchen. Watson und seine Möglichkeiten näher kennen zu lernen – diese Gelegenheit bieten Wolters Kluwer Deutschland und Soldan mit der „Legal Tech Tour 2018“ am 20. und 21. März 2018.  Sie führt in das IBM Research Center Zürich. Wie Watson KI auch für Rechtsanwälte relevant wird, stellt Dr. Stefan Mück, IBM CTO Cognitive Process Transformation, im folgenden Interview dar. Zusammen mit verantwortlichen IBM-Forschern wird er den Teilnehmern der Legal Tech Tour demonstrieren, wie es sich mit Watson arbeiten lässt.

Kann Watson überhaupt Jura?
Dr. Stefan Mück: Es wird an einigen Anwendungen für den Rechtsmarkt gearbeitet. Derzeit am bekanntesten ist sicherlich ROSS. Kanadische Studenten haben diese Lösung für juristische Inhalte entwickelt. ROSS kann unzählige Textdokumente durchsuchen, die Informationen analysieren und innerhalb weniger Sekunden präzise Antworten auf komplizierte juristische Fragen liefern.

Wie funktioniert das?
Dr. Stefan Mück: Watson muss viele Beispiele kennen lernen. Das Besondere an den sogenannten Systemen Künstlicher Intelligenz ist, dass sie nicht wie Software programmiert werden, sondern anhand von Beispielen trainiert werden. Genauer: sie werden trainiert, Muster in Beispielen zu finden, so dass sie dann neue Beispiele, die sie vorher noch nie gesehen haben, mit hoher Wahrscheinlichkeit erkennen.

Gibt es denn auch in Deutschland Beispiele für Watson-Anwendungen im juristischen Umfeld?
Dr. Stefan Mück: Nach dem Vorbild der kanadischen Studenten bietet die private Bucerius Law School gemeinsam mit dem Institut für Informatik an der Universität Hamburg ein Modul an, bei dem die Studierenden eigene kleine Rechtsanwendungen mit Watson entwickeln. Michael Friedmann, der Gründer der Portale 123.recht.net und frag-einen-anwalt.de, trainiert Watson mit den Fragen und detaillierten Antworten, die jahrelang über die Plattformen gesammelt wurden. Zukünftig wird Watson die Anwälte, die ihre Dienste über die Plattform anbieten, dabei unterstützen, schneller neue Fragen zu beantworten.

Arbeitet IBM auch selbst an juristischen Anwendungen für Watson?
Dr. Stefan Mück: Die Forscher im IBM Research Center in Zürich spielen eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von KI, die Bestandteil eines Watson Assistenten im Kontext Regulatory Compliance sein wird. Dieses System zielt darauf ab, das Risikomanagement zu erleichtern und den Zeit- und Kostenaufwand für Compliance deutlich zu senken – gerade für international agierende Unternehmen.

Wird Watson irgendwann den Anwalt ersetzen?
Dr. Stefan Mück: Watson kann dazu beitragen, dass Juristen schneller bei der Recherche werden und vielleicht auch Entscheidungshilfe bieten. Aber Watson wird den Anwalt nicht verdrängen. Er wird ihm eher ein „Butler“ oder Assistent sein.

Was wird die Teilnehmer der Legal Tech Tour erwarten?
Dr. Stefan Mück: Wir wollen Watson für sie „erfahrbar“ machen, Hemmschwellen abbauen und zeigen, dass man nicht IT-Spezialist sein muss, um mit dieser Technologie arbeiten zu können. Wir wollen Interesse und Begeisterung wecken, denn die Möglichkeiten, die sich mit Watson ergeben, sind reizvoll und vielfältig.