Im März 2022 haben die drei Rechtsanwälte Lars-Olaf Leskovar, Uwe Müller und Bartosz Dzionsko die Kanzlei Dreyenberg in Frankfurt am Main gegründet. Mit einer weiteren Anwältin und einem Anwalt beraten sie zum Steuerrecht, Gemeinnützigkeitsrecht sowie Steuer- und Wirtschaftsstrafrecht und fokussieren sich dabei auf jüngere Unternehmerinnen und Unternehmer, Investorinnen und Investoren sowie gemeinnützige Organisationen. Beim Soldan Kanzleigründerpreis 2024 wurde die Kanzlei mit dem 2. Preis ausgezeichnet.
„Dreyenberg“ heißt niemand in der Kanzlei. Wie sind Sie auf den Kanzleinamen gekommen?
Lars-Olaf Leskovar: Wir wollten nicht unsere eigenen Namen nutzen, weil es sperrig geklungen und keinen großen Wiedererkennungswert gehabt hätte. Daher haben wir uns für einen Kunstnamen entschieden. Da wir drei Grünungspartner sind, haben wir bei der Namensuche mit dem Wort „Drei“ gespielt. So kamen wir auf „Dreyenberg“ – für uns klingt das seriös und nach Anwaltskanzlei.
Sie konzentrieren Sie sich im Wesentlichen auf eine besondere Zielgruppe. Wen wollen Sie ansprechen?
Wir sind zum sehr großen Teil für junge Unternehmerinnen und Unternehmer, Start-up-Gründerinnen und -Gründern, aber auch vermögenden Privatpersonen tätig, dazu gehören zum Beispiel auch Krypto-Investoren. Unsere Mandanten haben schon andere Vorstellungen, wie sie arbeiten wollen. Sie sind in der Regel nicht an einen festen Ort gebunden, sondern sehr mobil. Daher spielt insbesondere das internationale Steuerrecht bei unserer Beratung eine große Rolle.
Inwiefern unterscheidet sich Ihre Beratung von anderen steuerberatenden Kanzleien?
Wir bringen das Know how der Großkanzleien und Big-4-Gesellschaften mit, dort haben die meisten von uns auch mal gearbeitet. Mit unseren Beratungsthemen u.a. in den Bereichen Web3 und Blockchain, Mobilität sowie social entrepreneurship sprechen wir jedoch vorrangig junge Unternehmerinnen und Unternehmer an. Wir treten oft auch anders gegenüber unseren Mandanten auf und sprechen die Sprache junger Unternehmerinnen und Unternehmer. Wir duzen uns zum Beispiel mit dem Großteil unserer Mandanten. Oft tragen wir ein T-Shirt oder einen Kapuzenpulli im Beratungsgespräch und nur selten Anzüge. Und natürlich können wir aufgrund unserer schlanken Kanzleistruktur auch zu günstigeren Stundensätzen arbeiten als größere Einheiten. Das ist für unsere Zielgruppe, insbesondere Start-ups, auch wichtig.
Für Ihre Mandanten ist die Digitalisierung von großer Bedeutung. Wie sieht das in Ihrer Kanzlei aus?
Unsere Kanzlei arbeitet komplett papierlos. Das ist für uns heute Standard. Wir sind allerdings keine „High-Tech-Bude“, denn wir beraten zu den klassischen steuerlichen und gesellschaftsrechtlichen Gestaltungsoptionen. Deshalb nutzen wir für unsere Beratungstätigkeit auch keine KI-Tools. Wir sehen bei uns derzeit noch keinen Ansatzpunkt dafür. Allerdings nutzen wir die Möglichkeiten des Internets bei der Akquise neuer Mandanten, die sog. search engine optimization (SEO).
Können Sie das näher erklären?
Wir sind mit Inhalten, die unsere Mandanten interessieren, im Netz vertreten. Wir veröffentlichen Blogbeiträge und haben sogar eigene Landing Pages zu bestimmten Themen, die für unsere Mandantschaft wichtig sind. Auf diesem Weg erreichen uns neue Anfragen und Mandate. Natürlich kommen viele Kontakte auch noch über die herkömmlichen Netzwerke zustande. Aber die Möglichkeiten, über das Internet zu akquirieren, werden von vielen Anwältinnen und Anwälten noch unterschätzt.
Viele Anwältinnen und Anwälte wollen lieber im Angestelltenverhältnis arbeiten. Was hat Sie dazu bewogen, eine eigene Kanzlei zu gründen?
Als junger Anwalt hätte ich mich nicht sofort getraut, mich selbstständig zu machen, denn man braucht eine große Portion Erfahrung, die ich in der Großkanzlei gesammelt habe. Allerdings bieten Großkanzleien oft weniger unternehmerische Freiheiten. Für meine Gründungspartner und mich ist es schon sehr reizvoll, etwas Eigenes aufzubauen. Entscheidend ist aber auch die Konstellation der Gründungspartner. Das passt einfach sehr gut.


