Anwaltschaft will für Mandanten kein Kostenrisiko eingehen

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Rechtsverfolgung ohne Kostenrisiko – damit locken Legal Tech-Anbieter und sind bei Verbrauchern auch ganz erfolgreich, wie Portale für Flugverspätungen, Mieterhöhungen oder Verkehrsverstöße belegen. Dafür übernehmen sie für ihre Kunden die gesamten
Rechtsverfolgungskosten und kassieren nur im Erfolgsfall eine Provision.

Mit In- Kraft-Treten des Gesetzes zur Förderung verbrauchergerechter Angebote im Rechtsdienstleistungsmarkt dürfen nun auch Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte in erweitertem Umfang mit ihren Mandanten ein Erfolgshonorar vereinbaren. Eine vollständige Übernahme sämtlicher Rechtsverfolgungskosten wie Gerichts- und Verwaltungskosten sowie Kosten anderer Beteiligter ist ihnen aber nur gestattet, wenn sie mit ihren Mandanten ein Erfolgshonorar für eine anwaltliche Inkassodienstleistung vereinbart haben. Eine zunächst geplante weitere Lockerung der Kostenübernahme auch für die Durchsetzung von geringfügigen Forderungen bis maximal 2.000 Euro  ist am Widerstand anwaltlicher Berufsorganisationen gescheitert.

Auch jetzt hat sich die Bereitschaft der niedergelassenen Anwaltschaft, Rechtsverfolgungskosten für ihre Mandanten zu finanzieren, kaum geändert. Das geht aus einer aktuellen Befragung des Soldan Instituts zum Berufsrechtsbarometers hervor. Lediglich 12 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich eine über ein Erfolgshonorar hinausgehende Kostenfinanzierung prinzipiell vorstellen könnten, die große Mehrheit von 88 Prozent hingegen nicht. „Nach unseren Befragungen ist zwar eine deutliche Mehrheit der Anwältinnen und Anwälte bereit, ein Erfolgshonorar zu vereinbaren. Sie ist aber nicht dazu bereit, mehr als die eigene Vergütung zum Gegenstand einer Vereinbarung zur spekulativen Finanzierung der Rechtsverfolgungskosten der Mandanten zu machen“, stellt Prof. Dr. Matthias Kilian, Direkter des Soldan Instituts sowie des Instituts für Anwaltsrecht an der Universität zu Köln, fest. Lediglich Berufsträger in großen überregionalen Sozietäten mit einem hohen Anteil an Unternehmermandaten stehen diesem Thema aufgeschlossener gegenüber. „Die anwaltliche Kostenfinanzierung hat nur ein beschränktes Potenzial, um den Verbraucher den Zugang zum Recht zu erleichtern“, sagt Kilian. Daran wird sich wohl auch so schnell nichts ändern.