Immer weniger wollen ReFa werden

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Die Zahl der Auszubildenden zum / zur Rechtsanwaltsfach- (ReFa) oder Rechtsanwalts– und Notarfachangestellten sinkt weiter. Wie aus dem Berufsbildungsbericht der Bundesregierung hervorgeht, wurden im Ausbildungsjahr 2018/2019 rund 1,1 Prozent weniger Ausbildungsverträge als im Vorjahr abgeschlossen. Insgesamt entschieden sich im Ausbildungsjahr 2019 lediglich 4.174 junge Menschen für eine Ausbildung in einer Anwalts- oder Notarkanzlei. Diese Entwicklung ist gegenläufig zum allgemeinen Trend in den Freien Berufen. Dort gab es in diesem Zeitraum sogar einen Zuwachs bei den Ausbildungsverträgen von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

„Wenn man die Entwicklung über die vergangenen Jahre von 2016 bis 2019 betrachtet, sind rund 700 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen worden. Das betrifft hauptsächlich die Ausbildung zur ReFa“, sagt Ronja Tietje, Vorstandsmitglied im ReNo Bundesverband e.V.. Und dabei ist zu beachten, dass sich in diesen Zahlen die Abbrecherquote noch nicht niederschlägt, sie also so gesehen noch geschönt ist zu den Zahlen, bzw. den Auszubildenden, die dann am Ende tatsächlich die Prüfung absolvieren.

Woran liegt es, dass der Beruf der ReFa für viele junge Menschen so wenig attraktiv ist? Ronja Tietje und ihre Mitstreiterinnen im Bundesgebiet halten vor allem zwei Gründe für ausschlaggebend: Nach wie vor ist der Beruf zu wenig bekannt. Selbst offizielle Stellen wie das Arbeitsamt kennen sich inhaltlich zu wenig aus. Auch die Kampagne „Ein Job für kluge Köpfe“, mit der der Deutsche Anwaltverein in Zusammenarbeit mit dem ReNo-Bundesverband seit einiger Zeit für den Beruf wirbt, hat so gesehen keinen Durchbruch beschert. „Wer sich hingegen im Netz über die Ausbildung zur ReFa informiert, stößt häufig auf negative Erfahrungsberichte, die dann abschreckend auf potentiell Interessierte wirken. Denn leider schreiben die wenigsten darüber, wenn sie etwas Positives erleben bzw. über die Vielseitig dieses Berufes. Meist geht es eher darum, den Frust loszuwerden“, stellt Tietje fest. Deshalb entscheiden sich auch heute am ehesten junge Menschen für die Ausbildung zur ReFa, wenn jemand aus ihrem Verwandten- oder Freundeskreis beim Anwalt arbeitet und sie darüber mehr (und dann auch Positives) über das Berufsbild erfahren.

Hinzu kommt, dass der Beruf für viele ein „verstaubtes“ Image hat. Die meisten assoziieren mit der Arbeit in einer Anwaltskanzlei noch immer Aktenberge und stundenlange Ablage. Dabei hat die Digitalisierung längst den Arbeitsalltag in der Kanzlei verändert. „Aber viele Kanzleien schaffen es einfach nicht, digital begeisterte Jugend anzuziehen“, stellt Tietje immer wieder fest. „Sie schulen zum Beispiel ihre Mitarbeiten nicht im Umgang mit den neuen Technologien. Viele nehmen die Digitalisierung gezwungener Maßen hin, gehen diesen Weg aber nicht mit Euphorie.“

Dabei könnten gerade auf diesem Gebiet beide Seiten viel voneinander profitieren. Solche positiven Beispiele gibt es auch. So berichtet Tietje von einer IT-Kanzlei, die das „digitale“ Potenzial ihrer Fachangestellten gut zu nutzen weiß. Sie kümmern sich beispielsweise um Auswertungen über die Kanzlei bei Facebook & Co, sie gestalten Präsentationen oder unterstützen bei Fällen von Cyber-Mobbing mit ihren Recherchen.

Neue Impulse für den Beruf erhofft sie sich auch von den neuen Fortbildungsstufen, die das novellierte Berufsbildungsgesetz nun ermöglicht.