„Moot Courts geben eine bessere Orientierung für das Studium“

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Bereits drei Mal hat Patrick Glatz am Soldan Moot Court teilgenommen: Zum
ersten Mal 2016 als Teammitglied. In den beiden darauffolgenden Jahren hat er
das jeweilige Team der Universität Hannover als Coach begleitet. Im folgenden
berichtet er, was der studentische Wettbewerb für sein Jura-Studium bedeutet
hat. Mit Moot Courts als Instrument einer praxisorientierten Juristenausbildung
befasst sich auch die Soldan Tagung, die am 20. und 21. Juni 2019 in Hamburg
stattfindet.

Warum haben Sie sich entschlossen, am Sodan Moot Court teilzunehmen?

Patrick Glatz: Ich wollte mehr Praxisbezüge in mein Studium einbauen und bin
durch Kommilitonen auf den Soldan Moot Court aufmerksam geworden. Ich habe
mich für diesen Wettbewerb auch deshalb entschieden, weil er stärker als andere
den Lernstoff meines Studiums abbildet. Da ich später höchstwahrscheinlich als
Anwalt in Deutschland arbeiten werde, liegt es für mich näher, mich eher mit
deutschem als mit ausländischem Prozessrecht zu beschäftigen.

Was haben Sie für Ihr Studium aus Ihrer Teilnahme am Soldan Moot mitgenommen?

Patrick Glatz: Das sind viele verschiedene Dinge. Ich habe zum Beispiel gelernt, wie man besser mit Stresssituationen umgeht. Ich habe Erfahrungen mit Teamarbeit gesammelt und
den freien Vortrag und das freie Sprechen geübt. Vor allem habe ich erfahren, was
die subjektive Interessenvertretung einer Partei wirklich bedeutet. Während des
Wettbewerbs wechseln die Teilnehmer und Teilnehmerinnen bisweilen auch die
Seiten – sie treten also teilweise einmal als Vertreter des Klägers und einmal als
Vertreter des Beklagten auf. Das ist spannend und hat mir einen anderen Blick auf
das Recht ermöglicht und durch den praktischen orientierten Ansatz der Moots
Courts auch so einen neue Zugang zur rechtlichen Marterie ermöglicht.

Hat Sie die Teilnahme an dem Moot Court zusätzlich zu Ihrem Studium zeitlich sehr
belastet?

Patrick Glatz: Der Soldan Moot ist unter den verschiedenen Wettbewerben am „Studenten
freundlichsten“, weil ein Großteil der Arbeit während der Semesterferien stattfindet.
Aber als Teilnehmer lernt man auch, seine verschiedenen Verpflichtungen
miteinander in Einklang zu bringen. Da ist gutes Zeitmanagement gefragt.
Wird die Teilnahme an den Moot Courts von den Fakultäten angerechnet?
Ich kann nur von Hannover berichten. Hier bekommen die Studenten ein
Freisemester angerechnet, wenn sie an einem Moot Court teilnehmen. Sie
bekommen zudem einen Schein für ein Proseminar oder für eine
Schlüsselqualifikation. Beides sind Zulassungsvoraussetzungen für die
Schwerpunktprüfung im ersten Staatsexamen bzw. das erste Staatsexamen.

Sollten Moot Courts Ihrer Meinung nach noch stärker in das Jurastudium
eingebunden werden?

Patrick Glatz: Auf jeden Fall! Die Moot Courts zeigen den Studierenden bereits im Studium, was Jura wirklich bedeutet. Sie können prüfen, ob sie später wirklich als Anwalt arbeiten wollen. Ich persönlich finde, dass Moot Courts eine bessere Orientierung geben als
die Praktika während des Studiums. Außerdem macht die Teilnahme einfach Spaß. Ich würde mir wünschen, dass möglichst jeder im Studium die Gelegenheit bekommt eine solche Erfahrung zu machen. Denkbar wäre für mich beispielsweise eine Einbindung von Moots in die grundständigen Vorlesungen für Interessierte.