Digitale Revolution in der Rechtsberatung

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Die digitale Revolution erfasst den Rechtsberatungsmarkt. Dort werden sich in den nächsten zwei Jahrzehnten wesentlich radikalere Veränderungen vollziehen als in den beiden vorangegangenen Jahrhunderten, prognostizieren einige Experten.

Zukunft des Rechtsberatungsmarktes

Es gibt derzeit viele Rechtsexperten, die den Blick in die Glaskugel werfen und gravierende Umwälzungen prophezeien. Eine dieser Stimmen gehört Professor Richard Susskind. In seinem Buch „Tomorrow´s Lawyers“ setzt sich der britische Bestsellerautor mit der zukünftigen Welt der Anwälte und Gerichte auseinander, die anders aussehen wird als heute: Gerichtsverhandlungen finden nur noch virtuell statt, Rechtsberatung erfolgt überwiegend online und Akten existieren allein in elektronischer Form.

Reine Zukunftsmusik ist das keineswegs: In Deutschland ist der elektronische Rechtsverkehr längst beschlossene Sache. Bis zum Jahr 2022 soll die gesamte Kommunikation zwischen Anwälten und Gerichten ausschließlich auf elektronischem Wege erfolgen. Bereits heute werden in Kanzleien Akten digitalisiert und elektronisch verwaltet. Es existieren Online-Plattformen zur Streitbeilegung und es gibt Angebote für juristische Bausteine, mit denen Nutzer selbst Verträge oder Kündigungen verfassen können.

Wie wird sich die Digitalisierung auf die Arbeit in der Kanzlei und auf das Verhältnis zum Mandanten auswirken? Wird der Computer den Anwalt ersetzen? Auf dem Anwaltszukunftskongress, den Soldan zusammen mit Wolters Kluwer Deutschland am 2. und 3. September in Köln veranstaltet, werden sich namhafte Experten mit diesen Themen beschäftigen.

Digitalisierung nicht als Bedrohung, sondern als Chance sehen

Eines ist ziemlich sicher: Für viele anwaltliche Leistungen wird es in Zukunft eine Software geben. Dabei handelt es sich um Arbeiten, die sich standardisieren lassen. „Was durch Software erledigt werden kann, wird auch durch Software erledigt werden“, sagt Markus Hartung, Rechtsanwalt und Direktor des Center on the Legal Profession der Bucerius Law School in Hamburg. „Letztlich ersetzen diese Systeme die Arbeit der Anwälte in Bereichen, für die man ohnehin keine Anwälte braucht.“ Deshalb sollten seiner Meinung nach Anwälte die Veränderungen durch die fortschreitende Digitalisierung nicht als Bedrohung, sondern vielmehr als Chance begreifen.

In dem von einem starken Wettbewerb geprägten Markt Rechtsdienstleistungen kann der Einsatz modernster Technik nur vorteilhaft sein: Sie erledigt bestimmte Arbeiten effizienter. Davon profitiert wiederum der Mandant, weil er für diese Leistungen weniger zahlen muss. Die Anwälte müssen sich darauf besinnen, was den wirklichen Wert  ihrer Arbeit ausmacht. „Wir haben es in der Hand den Inhalt unserer Arbeit so zu definieren, dass er als Nutzen beim Mandanten ankommt“, ist Hartung überzeugt. Digitale Technik macht den Anwalt nicht also keineswegs überflüssig, aber seine Arbeit effizienter.