Soldan Institut: Sinkende Anwaltszahlen erschweren den Zugang zum Recht vor allem für Verbraucher

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In den vergangenen fünf Jahren hat sich die Zahl der niedergelassenen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte in Deutschland von 154.700 auf 142.900 verringert. Das ist ein durchschnittlicher Rückgang bezogen auf das gesamte Bundesgebiet um 7,7 Prozent. In ländlichen Kammerbezirken ist der Schrumpfungsprozess noch wesentlich ausgeprägter. Im Rahmen des  Berufsrechtsbarometers 2021 hat das Soldan Institut die Auswirkungen dieser Entwicklung untersucht. Vor allem die anwaltliche Nachwuchsgewinnung wird immer schwieriger, bestätigt die große Mehrheit der Studienteilnehmer. Zum einen scheiden altersbedingt viele Anwältinnen und Anwälte aus. Zum anderen können die neu ausgebildeten Volljuristen diesen Rückgang nicht kompensieren. Die Zahl der ausgebildeten Volljuristen, die neu in den Markt kommen, liegt deutlich unter dem Niveau früherer Jahre.

Die rückläufigen Anwaltszahlen haben für die niedergelassene Anwaltschaft aber auch positive Seiten. So geben zwei Drittel der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte an, dass sich ihre Kanzlei mittlerweile häufiger erlauben kann, unattraktive Mandate abzulehnen. Allerdings bestätigen beinahe eben so viele, dass der stärkere Wettbewerb von nicht-anwaltlichen Anbietern diese positiven Effekte wieder ausgleiche. Gleichwohl berichten etwas weniger als die Hälfte von einem besseren Mandatsaufkommen und immerhin 28 Prozent davon, dass es leichter werde, am Markt höhere Preise beziehungsweise Vergütungsvereinbarungen durchzusetzen.

Weniger erfreulich sind diese Entwicklungen indes für die Rechtssuchenden. Knapp ein Drittel der Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte meint, dass sich der Zugang zum Recht für Rechtssuchende, insbesondere für Verbraucher, verschlechtert habe. Diese Einschätzungen vertreten vor allem Anwältinnen und Anwälte der Fachrichtungen Sozial-, Medizin, Migrations- und Erbrecht. Anwältinnen und Anwälte, die zum Großteil Verbraucher beraten, stimmen am häufigsten den Aussagen zu, dass sie nun häufiger unattraktive Mandate ablehnen könnten, geringeren Wettbewerbsdruck spürten und sich ihr Mandatsaufkommen verbessert habe. „Diese Befunde sollten nachdenklich stimmen. Sie sollten ein Warnsignal sein, dass sich die rückläufigen Anwaltszahlen offenbar zuerst bei rechtssuchenden Verbrauchern auswirken und insbesondere bei denjenigen, die besonders schutzbedürftig sind“, sagt Prof. Dr. Matthias Kilian, Direktor des Soldan Instituts und Professor für Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln. 

Für das Berufsrechtsbarometer 2021 wurden insgesamt 2.770 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte befragt. Sie gaben jedoch nicht alle ihre Einschätzungen ab. Die Beteiligung schwankte je nach Aussage zwischen 1.502 und 2.000. Dabei wurde auch deutlich, dass die Auswirkungen sehr unterschiedlich wahrgenommen wurden. Die Intensität hängt im hohem Maße vom jeweiligen Fachgebiet und auch von der Kanzleigröße ab.