Gewinner des Soldan Kanzlei-Gründerpreises: „Man braucht schon eine große Portion Mut und Fleiß“

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vlnr: Marina Hülsebus (3. Platz), René Dreske (Soldan), Ann-Katrin Dreber & Dr. Kevin Faber (1. Platz), Agnes Wendelmuth (2. Platz), Dr. Ulrich Wessels (Vizepräsident Brak), Prof. Dr. Matthias Kilan (Soldan Institut) und Ulrich Schellenberg (DAV-Präsident)

Bei dem diesjährigen Soldan Kanzlei-Gründerpreis ist die Kanzlei Dreber & Faber aus Eschwege mit dem ersten Preis ausgezeichnet worden. Rechtsanwältin Ann-Kathrin Dreber und Rechtsanwalt und Notar Dr. Kevin Faber haben sich Anfang 2014 selbständig gemacht mit dem Ziel, in Eschwege die größte Kanzlei mit der breitesten fachlichen Aufstellung zu werden. Sie bieten Beratung in neun verschiedenen Rechtsgebieten an  – vom Arbeitsrecht über Familien-, Miet- und Strafrecht bis zum Verwaltungsrecht. Die junge Kanzlei wächst: Zum 1. Dezember haben die beiden Gründer eine weitere Anwältin eingestellt.

Soldan #insights: Die meisten Experten empfehlen Rechtsanwältinnen und -anwälten, sich auf bestimmte Fachgebiete zu spezialisieren. Sie haben sich für das genaue Gegenteil entschieden. Warum?

 Ann-Kathrin Dreber: Wir haben uns ganz bewusst dazu entschieden, Generalisten zu sein – und sind es mit Leidenschaft. Zwischen vielen Rechtsgebieten gibt es Überschneidungen, etwa zwischen Familienrecht und Erbrecht, Arbeits- und Sozialrecht, bei Unternehmern spielen meistens noch Aspekte des Handels- und Gesellschaftsrechts eine Rolle. In unserer Beratung denken wir fachübergreifend und weisen unsere Mandanten auf solche Zusammenhänge hin, die darüber sehr dankbar sind.

Wie schaffen Sie es, auf vielen verschiedenen Fachgebieten immer auf dem Laufenden zu sein?

Selbstverständlich haben wir den Anspruch an uns selbst, in den Rechtsgebieten, in denen wir tätig sind, auf dem aktuellen Wissensstand zu sein. Das bedeutet natürlich viel Arbeit und Fortbildung. Aber es macht auch Freude. Es ist jedes Mal ein Erfolgserlebnis, wenn man es geschafft hat, sich etwas Neues zu erarbeiten.

Rechtsanwältin Ann-Kathrin Dreber und Rechtsanwalt und Notar Dr. Kevin Faber
Rechtsanwältin Ann-Kathrin Dreber und Rechtsanwalt und Notar Dr. Kevin Faber

Lehnen Sie auch Mandate ab, wenn Sie sich in dem jeweiligen Bereich nicht kompetent genug fühlen?

Das kommt selten vor. Aber in Fällen, in denen es vornehmlich um Steuerrecht oder Insolvenzrecht geht, empfehlen wir den Betroffenen, sich an Berater zu wenden, die sich auf diese Gebiete spezialisiert haben.

Was zeichnet Ihre Kanzlei neben der fachlichen Breite Ihrer Meinung nach noch aus?

In unserer Kanzlei herrscht eine angenehme und herzliche Atmosphäre. Wir sind ein Team und leben das auch. Wir sind alle zusammen zur Verleihung des Soldan Kanzlei-Gründerpreises nach Köln gefahren, um nur ein Beispiel zu nennen. Ich denke, dass unsere Mandanten diese Verbundenheit spüren und sich deshalb auch bei uns wohl fühlen. Manche sagen mir, sie fühlten sich bei uns wie zuhause. Was für ein schönes Kompliment! Die Menschen kommen zu uns, weil sie ein Problem belastet. Da ist es wichtig, dass sie uns vertrauen und sich gut aufgehoben fühlen, nicht nur fachlich, sondern vor allem auch menschlich.

Würden Sie jungen Anwältinnen und Anwälten empfehlen, eine eigene Kanzlei zu gründen?

 Auf jeden Fall. Ich denke es gibt noch immer sehr gute Möglichkeiten, mit einer eigenen Kanzlei erfolgreich zu sein. Dafür sollte man allerdings eine große Portion Mut und Fleiß mitbringen. Die vergangenen dreieinhalb Jahre waren bislang die härtesten in meinem Leben: Ich  arbeite sieben Tage die Woche und habe mir keinen Urlaub gegönnt. Dafür bringt mir meine Arbeit viel Spaß. Ich schätze die Freiheit und Kreativität, die eine selbständige Tätigkeit mit sich bringt. Für jemanden, der großen Wert auf Work-Life-Balance und Sicherheit legt, wäre das sicherlich nicht das Richtige.

Worauf sollten Kanzleigründer noch achten?

 Ich würde immer empfehlen, gut platzierte, in Zentrumsnähe gelegene Räume für die Kanzlei zu mieten. Ein gutes Marketingkonzept ist ebenfalls wichtig: Wir haben sehr schnell damit begonnen, Vorträge zu halten. Außerdem haben wir relativ viel Geld in unsere Homepage investiert, die eine Agentur professionell für uns gestaltet hat. Auch ein Facebbok-Account finde ich wichtig: Wir haben zum Beispiel die Fotos vom Soldan Kanzlei-Gründerpreis auf unsere Seite gestellt und nach kurzer Zeit 6.000 Klicks erhalten.

Was sind Ihrer Meinung nach die größten Hürden bei einer Kanzleigründung?

Es ist schwierig, in Deutschland Kapital für eine Gründung zubekommen. Das haben wir selbst erlebt. Vor allem Großbanken haben unser Vorhaben skeptisch bis ablehnend betrachtet und hohe Sicherheiten verlangt, die wir ihnen aber nicht bieten konnten. Wir sind dann bei der Volks- und Raiffeisen-Bank gelandet, die uns mit offenen Armen empfangen und uns ein Gründerdarlehen gewährt hat. Diese Bank ist bis heute unsere Hausbank.

Was könnte man jungen Gründern besser helfen?

Eine große Hilfe wäre es sicherlich, wenn Kanzleigründer leichter an Kapital herankommen könnten, eventuell über einen Fonds, der auch von Anwaltsvereinen oder ähnlichen anwaltsnahen Institutionen unterstützt würde. Und auch eine Auszeichnung wie der Soldan-Kanzleigründerpreis hilft weiter: Er sorgt für Aufmerksamkeit und ist auch eine schöne Bestätigung.