Digitalisierung: Auch Steuerberater müssen handeln

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Die Steuerberater in Deutschland haben im Bereich der Digitalisierung noch Nachholbedarf. Nur rund die Hälfte der Kanzleien nutzt digitalisierte Kanzleiprozesse wie Datenbankmanagementsysteme, die Vollmachtsdatenbank oder das elektronische Steuerkonto. Das geht aus den Ergebnissen des Statistischen Berichtssystems für Steuerberater (STAX) 2015 hervor.

An dieser aktuellen spezifischen Erhebung, die sich ausschließlich mit dem Berufsstand der
Steuerberater beschäftigt, haben sich rund 5.500 Berufsträger beteiligt. Im Jahr 2012 hatte die Bundessteuerberaterkammer die erste STAX-Umfrage in Auftrag gegeben. In der jetzt veröffentlichten Untersuchung von 2015 wurde auch erstmals die Nutzung unterschiedlicher digitalisierter Kanzleiprozesse ausgewertet.

Daten aus STAX 2015
Daten aus STAX 2015

Danach wurden vor allem das elektronische Steuerkonto (65,6 Prozent) und digitale Kontoauszüge (69,7 Prozent) am häufigsten genutzt; digitale Belegtauschmöglichkeiten und Dokumentenmanagementsysteme dagegen weniger (47,2 und 48,8 Prozent). „Die Zahlen zum Einsatz der digitalen Prozesse im Berufsstand zeigen uns, dass hier noch einiges zu tun ist“, sagt Dr. Raoul Riedlinger, Präsident der Bundessteuerberaterkammer. Vor allem Einzelkanzleien sind zurückhaltend, was den Einsatz moderner Technik betrifft.

Nur 68,7 % bestitzen eine Website

Ähnliche Tendenzen existieren für die Präsenz im Internet: Während bei den Sozitäten eine eigene Kanzleihomepage inzwischen nahezu als selbstverständlich gilt, ist das bei den Einzelkanzleien noch nicht der Fall. Insgesamt ist der Anteil der Befragten, deren Kanzlei über eine Homepage verfügt, jedoch gegenüber der letzten STAX-Befragung im Jahr 2012 deutlich gestiegen – um 7 Prozent auf jetzt 68,7 Prozent. Dabei sind in Ostdeutschland etwas mehr Kanzleien mit Internetauftritt zu finden als in Westdeutschland (72,4 Prozent gegenüber 67,4 Prozent). Facebook als Social Media Plattform für den professionellen Kanzleiauftritt spielt hingegen bei den Steuerberatern in Deutschland kaum eine Rolle. 83,7 Prozent der Befragten gaben an, dass ihre Kanzlei kein eigenes Facebook-Profil besitzt.

Bei der Umsatzentwicklung zeigt sich, dass Sozietäten bzw. Steuerberatungsgesellschaften im Vergleich zur letzten Umfrage ein deutlich höheres Wachstum erreicht haben als Einzelpraxen. Über alle Organisationsformen hinweg lag das durchschnittliche Wachstum im Westen Deutschlands deutlich höher als im Osten. Die Untersuchung hat auch ergeben, dass der Großteil des Umsatzes nach wie vor über die klassischen steuerberatenden Tätigkeiten erwirtschaftet wird. Dazu zählen Jahresabschlüsse, Rechnungswesen, Einkommensteuererklärungen sowie Lohn- und Gehaltsabrechnungen. Innerhalb der vereinbaren Tätigkeiten nach § 57 StBerG spielt die betriebswirtschaftliche Beratung eine immer wichtigere Rolle. Nach der aktuellen Umfrage ist der Umsatz aus vereinbaren Tätigkeiten von 3,2 auf 6 Prozent gestiegen – aus Sicht von Kammerpräsident Riedlinger ein Zeichen, „dass sich der Berufsstand aufmacht in Richtung Zukunft.“

Steuerberater klagen über fehlende qualifizierte Bewerber

Allerdings müssen die Steuerberater darauf achten, dass der derzeitige Fachkräftemangel diesen Aufbruch nicht hemmt. So melden 86,6 Prozent der Kanzleien unbesetzte Stellen; 21,4 Prozent hatten Schwierigkeiten, im aktuellen Ausbildungsjahr Auszubildende zu finden. Der Grund: fehlende qualifizierte Bewerber.

Die vollständigen Studienergebnisse finden Sie hier.