Anwälte können bald besser abrechnen

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Im Januar 2016 wird der Deutsche Anwaltverlag in Bonn eine webbasierte Anwendung auf
den Markt bringen, die Anwälte bei der Abrechnung unterstützt: Anwaltgebühren Online.Die Berechnung von Anwaltgebühren ist komplex und aufwändig, das  Rechtsanwalts-vergütungsgesetz (RVG) gibt den Rahmen dafür vor. Aber nicht immer sind dem Anwalt oder seinen Mitarbeitern alle für den Fall relevanten Gebührentatbestände oder alle gesetzlichen Möglichkeiten bekannt. Oft mals können sie sich auch aus Zeitmangel nicht so eingehend mit der Abrechnung beschäftigen. Deshalb bleibt immer ein Quantum an Gebühren unberücksichtigt, obwohl sie dem Anwalt eigentlich zustehen.

Nach Einschätzung von Experten könnten Anwälte bei gleichem Mandatsaufkommen und Geschäftsverlauf  ihren Umsatz um rund 30 Prozent steigern, wenn sie alle Abrechnungs-möglichkeiten optimal nutzen würden. Das neue Programm Anwaltgebühren Online soll dies ermöglichen. „Vor allem kleinere und mittlere Kanzleien wollen wir bei dieser Aufgabe unterstützen“, sagt Geschäftsführer Uwe Hagemann. „Der Anwaltverlag ist der führende Anbieter von Literatur zum anwaltlichen Gebührenrecht. Mit der neuen Anwendung übertragen wir diese Kompetenz jetzt auch in den Onlinebereich.“

Experten sehen gute Chancen für mehr Umsatz

Das System umfasst die Gebühren für Familien-, Miet-, Verkehrs- und Arbeitsrecht. Auch Strafrecht soll bis Ende des Jahres dazugehören. Derzeit wird dieses Programm bereits von einigen Kanzleien getestet – mit großem Erfolg. Bei der Entwicklung des Programms wurde großer Wert auf die nutzerfreundliche und einfache Bedienbarkeit gelegt: Ähnlich wie bei einer Steuererklärungs-Software führt Anwaltgebühren Online den Anwalt oder seine Mitarbeiter durch das Formular. Nach und nach werden alle relevanten Parameter des abzurechnenden Sachverhalts abgefragt. Während der Eingabe werden an den jeweiligen Positionen im Formular seitlich am Bildschirmrand passende Erläuterungen und Entscheidungshilfen eingeblendet. Sie ermöglichen dem Anwender, seinen Sachverhalt daraufhin zu überprüfen.

Laufende Aktualisierungen der Software

Führende Fachautoren haben diese Erläuterungen erarbeitet, denn für Anwaltgebühren Online ist die gesamte gebührenrechtliche Fachliteratur des Anwaltverlages sowie die Rechtsprechung ausgewertet und in das System eingearbeitet worden. Auch liefert das System zum jeweiligen Thema einen Link, der auf vertiefende Literatur verweist. Selbstverständlich wird das Programm laufend aktualisiert. „Ein Vorteil des Programms ist, dass Erläuterungen und Entscheidungshilfen nur dort auftauchen, wo überhaupt Unsicherheiten bei der Abrechnung bestehen können. Einfachere Sachverhalte sind mit wenigen Klicks schnell abgerechnet, für kniffligere Fälle bietet das System beste Unterstützung.

Auch komplizierte Anrechnungsfälle hat man so schnell im Griff “, erklärt Rechtsanwältin Jutta Weil, Leiterin Produktmanagement beim Deutschen Anwaltverlag. Am Ende der Eingabe in das Formular erhalten der Anwalt oder seine Mitarbeiter eine Abrechnung, in der sämtliche Positionen unter der optimalen Ausnutzung aller einschlägigen RVG Regelungen aufgeführt sind. Diese Abrechnung kann anschließend problemlos als Grundlage für die finale Rechnung übernommen oder auch für einen späteren Abruf gespeichert werden.

Gute Argumentationshilfe

Die detaillierte Abrechnung mit den verschiedenen Positionen und Begründungen liefert dem Anwalt und seinen Mitarbeitern zugleich Argumentationshilfen im Umgang mit Gerichtskassen und vor allem mit den Versicherungen. „Rund 70 Prozent ihrer Mandate regulieren kleine und mittlere Kanzleien mit Rechtsschutzversicherungen. Von diesen Rechnungen kommen durchschnittlich 40 Prozent beanstandet zurück. Das verursacht viel Arbeit“, erklärt Rechtsanwältin Jutta Weil. Mit Anwaltgebühren Online dürfte diese Quote bald deutlich niedriger ausfallen.