Soldan Institut publiziert Studie „Anwaltstätigkeit der Gegenwart“

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Buch gibt Einblick in das Innenleben deutscher Kanzleien

Eine aktuelle Untersuchung des Soldan Instituts gewährt interessante Einblicke in das Innenleben deutscher Kanzleien. Die Kölner Berufsforscher haben die Charakteristika von Rechtsanwälten und Kanzleien detailliert analysiert und in 31 einzelne Themen untergliedert. So geht aus der Befragung von rund 1.600 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten unter anderem hervor, dass mittlerweile zwei Drittel diesen Beruf gemeinsam mit Berufskollegen ausüben; nur noch ein Drittel praktiziert als Einzelanwalt. Ausführlich beschäftigt sich die Studie mit den Kanzleien in Deutschland: Danach sind die meisten in verschiedenen Rechtsgebieten tätig, die fachlich von unterschiedlich spezialisierten Rechtsanwälten abgedeckt werden. Generalistisch ausgerichtete Kanzleien sind dagegen deutlich seltener anzutreffen. Die geringste Verbreitung haben Kanzleien, die auf eine oder mehrere Zielgruppen spezialisiert sind und deren typischen Rechtsprobleme aus verschiedenen Rechtsgebieten bearbeiten.

Anwaltstätigkeit hat sich gewandelt

„Auffällig ist, dass sich bei den Berufsträgern ein Wandel weg vom generalistisch tätigen Rechtsanwalt hin zum Spezialisten vollzogen hat, bei den Kanzleien diese Entwicklung jedoch nicht in vergleichbarer Form stattgefunden hat“, beobachtet Soldan-Instituts-Direktor Prof. Dr. Matthias Kilian. Die Ergebnisse der Studie haben die Kölner Berufsforscher in dem mehr als 300 Seiten umfassenden Buch “Anwaltstätigkeit der Gegenwart” zusammengefasst und stellen es auf dem 67. Deutschen Anwaltstag in Berlin vor.  Desweiteren geht aus der Untersuchung hervor,  dass die Hälfte  der Mandanten in deutschen Anwaltskanzleien Verbraucher sind, Unternehmensmandanten folgen mit 42 Prozent. Nur ein geringer Teil (8 Prozent) kommt aus Organisationen, Verbänden oder der öffentlichen Hand. Die Bedeutung von Stammkunden, die die Kanzlei fortlaufend mandatieren oder immer wieder neue Mandate erteilen, ist nach den Erkenntnissen der Studie erheblich: Ein Viertel der Rechtsanwälte betreut zu mindestens 70 Prozent Stammmandanten, etwas mehr als die Hälfte hat zu 50 Prozent oder mehr Stammmandanten. Dabei kommt dem Zivilrecht in der Beratungspraxis die größte Bedeutung zu: Nur 15 Prozent der Studien-Teilnehmer benennen das Strafrecht, 10 Prozent das Sozialrecht, 9 Prozent das Verwaltungsrecht und 7 Prozent das (Bilanz- und) Steuerrecht als wichtigste nicht-zivilrechtliche Tätigkeitsschwerpunkte.

Köln/Berlin, den 1.6.2016

Mehr zur Studie:

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Ansprechpartner:               

Prof. Dr. Matthias Kilian
Tel.: 0221 5481 1123
Fax: 0221 5481 1125
Mobil: 0172 63 93 699
kilian@soldaninstitut.de

Hinweise für die Redaktionen:

Das Buch „Kilian, Anwaltstätigkeit der Gegenwart: Rechtsanwälte, Kanzleien, Mandate, Mandanten“ ist als Band 19 der Forschungsberichte des Soldan Instituts im Anwaltverlag erschienen (341 S., ISBN 978-3-8240-5431-2, 15 EUR). Das Buch wird am 2.6.2016 auf dem 67. Deutschen Anwaltstag in Berlin im Rahmen der Veranstaltung „Anwalt 2016: Einblicke in das Innenleben deutscher Kanzleien“ offiziell vorgestellt. Die Veranstaltung findet von 16-18 Uhr im Raum 4 (2. OG) des Tagungshotels Estrel Berlin, Sonnenallee 225, 12057 Berlin, statt.

Folgende Einzelthemen werden in dem Buch behandelt: I. Rechtsanwälte: Berufsausübung – Alter – Berufserfahrung – Geschlecht – Ort der Berufsausübung – Arbeitszeit – Spezialisierung – Fachanwaltsstatus – Ausübung eines Zweitberufs – Risiko persönlicher Haftung – Einsatz von Fremdsprachen  II. Kanzleien: Kanzleitypus – Kanzleigrößen – Rechtsform – Standorte – Infrastruktur – Mitarbeiter – Strategie – Kostenquote – Kostenstruktur – Umsätze – Gewinne  III. Mandanten: Mandantenstruktur – Mandantentypen – Stammmandanten – Kommunikation mit Mandanten IV. Mandate: Rechtsgebiete – Mandatsablehnungen – Mandatstypen – Struktur der Mandatsarbeit – Einsatz juristischer Hilfsmittel – Auslandsbezug der Mandate. Die emprischen Befunde beruhen auf der Befragung von 1.593 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten.

Über das Soldan Institut:

Das Soldan Institut wurde 2002 als unabhängige Forschungseinrichtung gegründet. Ziel des von einem gemeinnützigen Verein getragenen Instituts ist die Erforschung der Strukturentwicklung der Anwaltschaft und der sich hieraus ergebenden Bedingungen für eine erfolgreiche und zukunftsorientierte Tätigkeit von Anwaltskanzleien. Das Institut betreibt eigene empirische Anwaltsforschung, deren Ergebnisse Rechtsanwälten, Institutionen der deutschen Anwaltschaft, politischen Entscheidungsträgern, Wissenschaftlern und einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Der gemeinnützige Trägerverein des Instituts wird von der Hans Soldan Stiftung, dem Deutschen Anwaltverein, der Bundesrechtsanwaltskammer und Wolters Kluwer Deutschland unterstützt. Der Institutsdirektor, Prof. Dr. Matthias Kilian, ist Inhaber einer Professur u.a. für Anwaltsrecht und anwaltsorientierte Juristenausbildung der Universität zu Köln.