Bucerius Law School: Mehr Technologiekompetenz für Juristen

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (3)
0
744

Technologie und Informatik gehören bislang nicht zum Kanon
rechtswissenschaftlicher Lehrstühle in Deutschland. Hin und wieder gibt es Seminare
oder Vorlesungen von Praktikern. Meist gehen solche Veranstaltungen auf die
Initiative der Studierenden zurück. Ein fester Bestandteil des Curriculums sind sie
jedoch nur in den seltensten Fällen, von Prüfungen oder Abschlüssen ganz zu
Schweigen.

Als eine der ersten Hochschule bietet die private Bucerius Law School in Hamburg
seit kurzem eine Technologie-Ausbildung an. Zuständig für die Organisation ist Dirk
Hartung, selbst Absolvent der Bucerius Law School und jetzt Executive Director
Legal Technology. Mehrere Monate hatte er sich zuvor in den USA Universitäten
angeschaut und Eindrücke gesammelt, wie dort Jura-Studierende in Sachen Legal
Tech ausgebildet werden. An diesen Vorbildern hat sich die Hochschule bei ihrem
Ausbildungsprogramm orientiert: Seit dem Studienjahr 2017/18 können Studierende
in Hamburg Technologiekompetenz erwerben und mit dem Technologiezertifikat
auch nachweisen. Dafür müssen sie vier Kurse verpflichtend besuchen. Dabei
handelt es sich um die Einführung in die Informatik, Grundlagen der Statistik,
Einführung in die Programmierung für Juristinnen und Juristen sowie um ethische
Fragen des Technologieeinsatzes. Optional kann auch noch ein interdisziplinäres
Projektstudium absolviert werden, das die Bucerius Law School in Kooperation mit
den Sprachtechnologen der Universität Hamburg anbietet.

Das Technologiezertifikat ist Bestandteil des Studiums generale. Die Teilnehmer
sammeln damit „Creditpoints“, die sie auch für ihren Bachelor of Laws auf dem Weg
zum Staatsexamen benötigen. Das Angebot kommt gut an. „Zwischen 10 und 25
Prozent der Studierenden interessieren sich dafür“, berichtet Hartung. Das sei selbst
im Vergleich zu den USA eine gute Quote.

Ein weiteres Angebot im Rahmen der Legal Technology Education ist die Summer
School, die die Bucerius Law School vergangenen Sommer zum ersten Mal
veranstaltet hat. Der dreiwöchige Kurs richtet sich vornehmlich an junge
Berufseinsteiger und Referendare. Auch hier war das Interesse groß. Es gab mehr
als doppelt so viele Bewerber wie Plätze, berichtet Hartung. „Die meisten waren
Referendare oder Doktoranden, die nebenbei in einer Kanzlei arbeiten“, so Hartung.
„Das ist auch wichtig, denn sie wissen, wo in der Praxis die Probleme liegen, die mit
Legal Tech gelöst werden sollen.“

Der Kreis, an den sich die Bucerius Law School mit ihrer Summer School wendet, ist
international. Das liegt auch daran, dass sie hier eng mit CodeX, dem Stanford
Center for Legal Informatics in Kalifornien und der Kent Law School am Illinois
Institute of Technology in Chicago zusammenarbeitet. So kommt rund die Hälfte der
Referenten aus den USA, der überwiegende Teil der Teilnehmer aus dem
europäischen Ausland.

Derzeit wird an der Bucerius Law School darüber nachgedacht, wie neben den
Bildungsangeboten auch die Forschung im Bereich Computational Legal Studies
ausgebaut werden kann. Aktuell bietet die Hochschule einen LL.M. mit
Spezialisierung in Technology Operations an, der mittelfristig zu einem vollen Legal
Technology Abschluss entwickelt werden könnte. Wieder wäre dann die Bucerius
Law School der Vorreiter – jedenfalls in Deutschland. Madrid und Swansea in
Wales/UK bieten bereits jetzt einen LL.M. in Legal Tech an.