„Kampf ums Recht at it´s best“

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Prof. Dr. Christian Wolf ist für die wissenschaftliche Begleitung und organisatorische Durchführung des Soldan Moots verantwortlich.

Ein Gespräch mit Prof. Dr. Christian Wolf zu fünf Jahre Soldan Moot

Der Soldan Moot feiert dieses Jahr ein kleines Jubiläum: Zum fünften Mal findet der studentische Wettbewerb jetzt statt. Haben Sie dafür etwas Besonderes geplant?
Unser Ziel ist es, in diesem Jahr 40 Teams aus 30 Universitäten an den Start zu bekommen. Wenn wir das erreichen, finden an zwei Dritteln der juristischen Fakultäten in Deutschland eine Auseinandersetzung mit dem Anwaltsrecht statt. Gleichzeitig können wir dann die Finalrunden mit dem Achtelfinale statt wie bisher mit dem Halbfinale beginnen lassen. Dies ist, glaube ich, für die Teilnehmer sehr wichtig. Wir sind auch dabei, einen eigenen YouTube-Kanal einzurichten. Dort werden wir kleine Beiträge zum Anwaltsrecht und zum Soldan Moot einstellen. Die Teams können so die Grundzüge des Anwaltsrechts online lernen. Für die mündliche Verhandlung in Hannover haben wir einige Neuerungen geplant, was genau wird aber noch nicht verraten.

Inzwischen sind Moot Courts an vielen deutschen Jura-Fakultäten beinahe so selbstverständlich wie Hausarbeiten und Klausuren. Worin unterscheidet sich der Soldan Moot von anderen?
Das Besondere am Soldan Moot ist zunächst, dass eine Teilnahme den Studierenden aller juristischen Fakultäten offensteht und jedes Team zur mündlichen Verhandlung nach Hannover kommen kann. Es gibt also keine Vorentscheide, keine Vorauswahl, stattdessen ein großes Come Together in Hannover. Der Soldan Moot ist auch der einzige Wettbewerb, der das anwaltliche Berufsrecht in den Fokus rückt. Wer Anwalt werden will, sollte sich in seinem Berufsrecht auch auskennen. Schließlich winken den Gewinnern herausragende Preise der Veranstalter: Die Soldan Stiftung lädt zum Anwaltszukunftskongress ein, die BRAK hat die Gewinner zum International Lawyers Forum nach Berlin eingeladen, die Gewinner des DAV Preises fahren zum Anwaltstag und die Gewinner des Fakultätentags-Preises lernen
das juristische Berlin kennen. Die Teilnahme lohnt also!

Welchen Nutzen ziehen die Studierenden aus der Teilnahme an diesen Wettbewerben?
Erfahrene Rechtsanwälte beklagen immer wieder zwei Dinge, die junge Anwälte nicht beherrschen: Sie können den Sachverhalt nicht richtig erfassen, sie können nicht richtig schreiben. Wer am Soldan Moot teilgenommen hat, hat beides gelernt! Insbesondere wie aus einer Vielzahl von Fakten die entscheidungsrelevanten herausgefiltert und überzeugend dargestellt werden, lernt man in einem Moot Court.

Bei der Durchführung des Soldan Moot sind Sie auch auf die Unterstützung von Praktikern angewiesen. Welche Aufgaben müssen sie übernehmen?
Die Gewinner ermitteln nicht die Veranstalter oder gar ich. Vielmehr ist dies eine Kollektiventscheidung. Richter und Anwälte korrigieren die Schriftsätze und bewerten diese. Aus der Summe der dabei vergebenen Punkte werden die Sieger des BRAK Preises für den besten Klägerschriftsatz und des DAV-Preises für den besten Beklagtenschriftsatz vergeben. In der mündlichen Verhandlung in Hannover leiten die Praktiker die mündliche Verhandlung und bewerten als Juror die Leistung der Studierenden. Dabei schlüpft schon mal ein Rechtsanwalt in die Rolle eines Richters und leitet die mündliche Verhandlung und Richter bewerten auch die mündliche Anwaltsleistung als Juror.

Ist es eigentlich schwierig, Freiwillige für diese Aufgabe zu gewinnen?
Klar bedeutet die Mitwirkung an dem Soldan Moot als Juror oder Richter auch Arbeit. Besser als auf jedem Karrieretag kann man beim Soldan Moot aber die besten Studierenden aus ganz Deutschland kennenlernen und seine Kanzlei präsentieren. Wie hat es Eva Flick, JUVE Fachredakteurin und Co-Leiterin des azur Karrieremagazins, formuliert: „Wenn ich in einer Kanzlei für Recruiting zuständig wäre, würde ich beim Soldan Moot verschärft auf Personalfang gehen.“ Wer einmal am Soldan Moot als Richter oder Juror mitgewirkt hat, hat in der Regel Feuer gefangen und will beim nächsten Mal wieder dabei sein. Das gilt übrigens auch für eine Reihe von ehemaligen Teilnehmern, die am Samstag eigens zum Finale anreisen und anschließend mit den Siegern feiern gehen.

Was reizt Sie persönlich immer wieder an dem Soldan Moot?
In jedem Jahr ist immer wieder spannend zu sehen, welche Aspekte die Studierenden dem Fall noch entlocken und welche Wendungen die Argumentation nimmt. Moot Court Fälle müssen immer so offen angelegt sein, dass sowohl die Kläger als auch die Beklagten den Fall gewinnen können. Zu beobachten, wie unterschiedlich damit umgegangen wird, macht richtig Spaß. Ein sehr großes Vergnügen ist es auch, den mündlichen Verhandlungen zuzuhören. Mit welchem Engagement dort gekämpft wird, ist toll zu sehen. Manchmal wünscht man sich, in
der Praxis würde in dem einen oder anderen Fall mit dem gleichen Enthusiasmus gestritten. Kampf ums Recht at it´s best!

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