Rainmaker erleichtert in Äthiopien den Zugang zum Recht

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Rainmaker hilft Anwälten, besser und effizienter zu arbeiten. Dafür haben die Softwarefirma ReNoStar aus Großwallstadt und Soldan die cloudbasierte Kanzleisoftware entwickelt. Jetzt spielt eine abgewandelte Version der Software eine zentrale Rolle bei der Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs in Äthiopien.

„Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs in Äthiopien mittels Prototyp“ – so heißt das Projekt, an dem ReNoStar federführend beteiligt gewesen ist. Es wurde vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert und von der gemeinnützigen Entwicklungsorganisation Sequa betreut. Rund zwei Jahre haben Mitarbeiter von ReNoStar und vom Mekelle Institut for Technology (MIT) der Universität Mekelle intensiv an der Cloudplattform gearbeitet. Dabei konnte ReNoStar nicht nur die Erfahrungen einbringen, die das Unternehmen bei der Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs in Deutschland bislang gesammelt hat, sondern auch technische Lösungen liefern. Die Software Rainmaker diente bei der Entwicklung als Vorbild und wurde entsprechend angepasst. Im September wird der Prototyp nun offiziell in Mekelle, der Hauptstadt der Region Tigray im äußersten Norden Äthiopiens, übergeben. In diesem Gerichtsbezirk, in dem allein in jedem Jahr rund neue 30.000 Fälle anhängig sind, wird das System zunächst eingeführt.

Mittelfristig soll die Cloudplattform dann den gesamten Rechtsverkehr zwischen allen Beteiligten elektronisch abbilden. Im ersten Schritt geht es bisher darum, die Kommunikation zwischen Rechtsratsuchenden und Gerichten zu verbessern. „Die Hauptkritik an der äthiopischen Justiz ist, dass sie zu langsam, zu wenig transparent und zu wenig effektiv arbeitet“, erklärt Marco Buhleier, Geschäftsführer der ReNoStar. „Da es in dem Land kaum Anwälte gibt, müssen die Einwohner in Zivilsachen ihre Fälle selbst einreichen – und das kann sehr kompliziert sein. Schon allein der beschwerliche Weg zu einem Gericht ist häufig für die Bürger ein Klagehindernis.“ Aber auch für Gerichte bedeutet dies einen deutlichen Mehraufwand gegenüber Ländern, in denen es eine funktionierende Anwaltschaft gibt.

Die neu entwickelte Plattform soll die Missstände in der äthiopischen Justiz nach und nach beseitigen. Zunächst sollen die Bürger ihre zivilrechtlichen Streitigkeiten elektronisch einreichen und auch weiter verfolgen können, zum Beispiel über ihr Handy. „Fast jeder hat in Äthiopien ein Smartphone und in fast jedem Dorf gibt es einen Hotspot, über den die Menschen ins Internet gelangen“, erklärt Buhleier. Die Justizangestellten und Richter können ihre Arbeiten ebenfalls in dem System erledigen.

Die Plattform trägt deshalb auch dazu bei, die Arbeit der Richter und ihre Effizienz zu kontrollieren. Das ist sehr wichtig, da die Justiz in Äthiopien auch daran krankt, dass sie so unübersichtlich ist. Aktenberge türmen sich auf den Schreibtischen in den Amtszimmern und immer wieder passiert es, dass Akten einfach verschwinden. Die Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs wird dafür sorgen – so hofft es die Regierung, dass die Kommunikation zwischen Gerichten, Klägern und Beklagten und später auch einmal mit den Anwälten schneller, sicherer und transparenter wird.

„Mit unserem Piloten haben wir nun das Grundgerüst dafür geliefert“, erklärt Buhleier. „Dabei haben wir uns sehr eng an den Bedürfnissen der Menschen in dem Land orientiert.“ Darüber hinaus hat ReNoStar die Beteiligten im Land so geschult, dass sie auch selbst Anpassungen und Erweiterungen an der Anwendung vornehmen können. „Unser Ziel ist es, dass das Projekt im Laufe der nächsten Jahre zu einem Selbstläufer wird und keine externe Unterstützung mehr benötigt“, sagt Buhleier.

 

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