Legal Marketplaces – die „Amazon“-isierung der Rechtsbranche

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Gastbeitrag von Dr. Stefan Morschheuser, anwalt.de

Dr. Stefan Morschheuser ist Co-Founder & CEO der anwalt.de services AG, die die Plattform anwalt.de betreibt. Er spricht auf dem Anwaltszukunftskongress, der am 8. und 9. September 2017 in Düsseldorf stattfindet, über „Legal Marketplaces“ als Instrument für einen transparenten und effizienten Zugang zum Recht.

In vielen Branchen ist es üblich, Produkte und Dienstleistungen im Internet zu selektieren, Qualität und Preise zu vergleichen, Bewertungen einzusehen und schließlich zu bestellen: Hotels, Elektronikartikel, Bücher, Tickets, Schuhe, Lebensmittel – die Liste kann fast beliebig erweitert werden. Überall schafft das Internet Transparenz und Vergleichbarkeit. Wirklich überall? Nein! Eine sehr große Branche – wir sprechen von mehr als 22 Milliarden Euro Umsatz jährlich in Deutschland – hat noch erheblichen Nachholbedarf, ist aber nun „fällig“:
die Rechtsberatung!

Legal Tech stellt den Verbraucher in den Mittelpunkt

Für diesen Umbruch in der Branche steht das Schlagwort „Legal Tech“, das analog zu „FinTech“ oder „InsurTech“ für produktive Unruhe sorgt. Natürlich ist der Einsatz von IT und Internet in der Rechtsberatung an sich nichts Neues. Doch während bisher die Unterstützung von Kanzleiprozessen im Fokus stand, dreht Legal Tech die Perspektive nun um und stellt den Verbraucher in den Mittelpunkt: Wie kann der Zugang zur Rechtsberatung mithilfe von Internet & IT einfacher, transparenter und besser gestaltet werden? Im Kern geht es also um eine Demokratisierung des Rechts.

Das ist keine triviale Aufgabe, haben wir es doch mit einem sehr fragmentierten und im Wesen intransparenten Markt zu tun. Mehr als 54.000 Kanzleien, davon über 44.000 Einzelkanzleien, buhlen in Deutschland um die Gunst der Rechtsratsuchenden. Diese sind wiederum mit der Vielfalt des Angebots oftmals überfordert, wissen sie doch nicht, welche Anwaltskanzlei welche konkreten Dienstleistungen zu welchem Preis und zu welcher Qualität anbietet. Sie meiden aufgrund des fragmentierten und schwer zugänglichen Marktes oftmals notwendige, insbesondere präventive Rechtsberatung mit erheblichen negativen Folgen.

Legal Marketplaces schaffen Transparenz

Es zeichnet sich ab, dass analog zu anderen hochfragmentierten Branchen der Plattformgedanke auch in der Rechtsberatung eine zentrale Rolle spielen wird. Plattformen wie anwalt.de werden einen erheblichen Teil der Nachfrage bündeln und die Akteure bzw. deren Dienstleistungen möglichst transparent und effizient zugänglich machen. Die Rede ist von sogenannten „Legal Marketplaces“.

In den USA ist der Markt an diesem Punkt bereits weiter fortgeschritten, insbesondere im Hinblick auf den Plattformgedanken und die Standardisierung von Rechtsdienstleistungen. US-amerikanische Vorreiter in dieser Kategorie sind beispielsweise avvo.com, legalzoom.com und rocketlawyer.com.

Das wird an einer statistischen Zahl in beeindruckender Form deutlich: In Kalifornien werden beispielsweise bereits über 25 Prozent der Firmengründungen über die Plattform legalzoom.com und die dort teilnehmenden Kanzleien abgewickelt.

Die „Amazon“-isierung der Rechtsbranche?

Für ausgewählte Problemstellungen, insbesondere im Verbraucherrecht, haben sich bereits spezialisierte Plattformen etabliert, die mit benutzerfreundlichen Benutzeroberflächen und effizienten Abwicklungsprozessen punkten: Prominente Beispiele sind die Legal-Tech-Start-ups flightright.com für Flugreise- Entschädigungen sowie geblitzt.de zur Prüfung von Bußgeldbescheiden.

In den meisten Fällen handelt es sich bei juristischen Problemen jedoch um individuelle Fragestellungen, bei denen die persönliche Beratungsqualität des Rechtsanwalts entscheidend ist. Themenunabhängige Rechtsberatungsplattformen, haben die wichtige Funktion und Aufgabe, Rechtsnachfrage möglichst effektiv an die dort gemeldeten Kanzleien weiterzuleiten.

Solche Plattformen werden also zum Amazon der Rechtsberatung: So wie Verbraucher ganz selbstverständlich Güter des täglichen Bedarfs über Amazon statt direkt bei den einzelnen Online-Händlern bestellen, so werden sie auch Rechtsberatung über Plattformen auswählen und zukünftig auch buchen.

 

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