„Erste Einschätzungen liefern unsere Anwälte binnen einer Stunde“

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Michael Friedmann, Mitgründer der Internetportale 123recht.net und Frag-einen-Anwalt.de, gehört zu den Pionieren der Online-Rechtsberatung in Deutschland. Diebereits 2000 gegründete Internetseite 123recht.net bietet Nutzern erste Hilfe in Rechtsfragen. Sie finden dort unter anderem knapp 12.000 Ratgeberartikel zu gängigen Rechtsproblemen sowie 52 interaktive Mustervorlagen. Nur vier Jahrespäter gründete Friedmann mit drei weiteren Partnern Frag-einen-Anwalt.de, ein Portal, das über das Internet schnell und günstig anwaltlichen Rat vermittelt.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Rechtsberatung über das Internet anzubieten?

Ich habe Jura studiert und schon früh im Gespräch mit Nicht-Juristen festgestellt, dass bei vielen Menschen eine extrem hohe Hemmschwelle besteht, einen Anwalt aufzusuchen. Die meisten wissen nicht, was sie der Rechtsrat kostet. Oftmals beklagen sie auch den schlechten Service ihres Anwalts, weil sie lange auf die Antwort warten müssen. Und wenn sie dann endlich sein Schreiben in den Händen halten, verstehen sie es nicht. Viele Betroffene verzichten dann lieber darauf, ihr Recht durchzusetzen. Das wollten meine Mitgründer und ich auf jeden Fall ändern.

Wie wird ihr Angebot, etwa bei Frag-einen-Anwalt.de genutzt?

Die Seite hat inzwischen rund 3 Millionen Besucher, die sich informieren und sich auch dort rechtlichen Rat holen. Rund 1.500 Anwälte sind auf der Plattform registriert. Jährlich vermitteln wir ein Honorarvolumen von mehr als 60 Millionen Euro an die Anwälte.

Und was macht die Arbeit des Anwalts über ihre Plattform nun besser?

Durch unsere Technologie sind die Anwälte, die für uns arbeiten, dazu gezwungen, ihre Auskünfte schnell und verständlich zu erteilen. Wir vergeben auch einen Score für unsere Anwälte. In dieses Rating fließen unter anderem die Schnelligkeit, die fachliche Kompetenz, zum Beispiel durch Veröffentlichungen auf unserer Plattform, Bewertungen der Nutzer und noch 15 weitere Kriterien ein. Die Nutzer erhalten übrigens im Durchschnitt in weniger als einer Stunde eine Antwort auf ihre rechtliche Frage.

Und was bekommen die Anwälte für ihre schnelle Leistung?

Unsere Nutzer entscheiden selbst, was Ihnen die rechtliche Auskunft wert ist. Für eine erste Einschätzung müssen sie jedoch mindestens 25 Euro zahlen, im Durchschnitt sind es 58 Euro. Hinzu kommen noch 2 Euro als Nutzungsgebühr für die Plattform. Der Anwalt führt 35 Prozent seines Honorars für die gesamte Abwicklung, Rechnungsstellung, Auszahlungsgarantie und so weiter an Frag-einen-Anwalt.de ab und zahlt eine monatliche Nutzungsgebühr von 20 Euro für die Registrierung auf unserer Plattform.

Lohnt sich das überhaupt für die Anwälte?

Auf jeden Fall. Unsere Statistiken belegen, dass sich ein Drittel der Fragesteller auch mit dem konkreten Mandat und weiteren rechtlichen Problemen an den Anwalt wendet. Darüber hinaus sind die Antworten des Anwalts in den meisten Fällen auf der Seite frei verfügbar und werden 1000fach abgerufen. Viele Nutzer wenden sich dann gleich an den Anwalt, wenn sie ein ähnliches Problem haben. Das ist also Werbung, für die der Anwalt nicht bezahlen muss, sondern sogar noch Geld bekommt. Den gleichen Effekt muss er bei Google Adwords wesentlich teurer bezahlen. Neue Mandate kosten eben Geld – das ist auch nichts Neues. Früher haben Anwälte in den „Gelben Seiten“ inseriert und Vorträge gehalten. Bei uns sind
diese Werbungskosten transparenter, weil sie direkt auf das Mandat heruntergerechnet werden können.

Auch in Deutschland wächst die so genannte Legal Tech-Szene. Spüren Sie bereits die Konkurrenz von Anbietern wie advocado und anderen?

Wir beurteilen die Entwicklung sehr positiv und freuen uns, dass dieses Thema auf einmal so viel Interesse weckt. Als Pioniere auf diesem Markt profitieren wir davon und haben auch noch keine Anwanderung zu Konkurrenzunternehmen zu spüren bekommen. Im Gegensatz zu uns müssen die neuen Unternehmen am Markt viel Geld ausgeben, damit die Leute überhaupt auf ihre Seite aufmerksam werden. Das müssen wir nicht; wir haben sehr viele Kunden, die regelmäßig auf unsere Seiten wiederkehren.

Herr Friedmann, Sie sind auch auf dem Anwaltszukunftskongress am 2. und 3. September in Köln dabei. Wie wird Ihrer Meinung nach die Zukunft der Anwaltschaft aussehen?

Ich bin davon überzeugt, dass durch die fortschreitende Technologisierung und auch Unternehmen wie unsere künftig 90 Prozent der Fallbearbeitung automatisiert wird. Bereits in den nächsten drei Jahren wird sich sehr viel ändern: Neue Player werden auf den Markt kommen. Das wird auch dazu führen, dass sich der Service eines Anwalts verändern wird. Die Nutzer von heute sind es gewohnt, eine Leistung oder ein Produkt über das Internet zu bestellen und es spätestens am nächsten Tag zu bekommen. Anwälte werden ihren Mandanten kaum mehr vermitteln können, warum sie so viel Zeit benötigen. Wir arbeiten selbst an neuen Technologien, die die Mandatsarbeit beschleunigen werden. Das ist meines Erachtens der nächste Entwicklungsschritt.