Juristische Fachzeitschriften – vom Aussterben bedroht?

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Juristische Fachzeitschriften

NJW & Co. im Zeitalter der Digitalisierung

Fachzeitschriften sind aus dem Alltag einer Kanzlei nicht wegzudenken. Gebundene Zeitschriften-Jahrgangsbände säumen die Regale, noch zu lesende Hefte bevölkern die Schreibtische oder wandern per Umlauf durch die Büros.

Aber ist diese Form der Informationsbeschaffung noch zeitgemäß?

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich zunächst mit den Vorteilen auseinandersetzen, die juristische Fachzeitschriften bieten:

  • Aktualität
    In den zumeist monatlich erscheinenden Heften werden aktuelle Urteile redaktionell aufgearbeitet und kommentiert, neueste Themen in der Anwaltschaft diskutiert. Und gerade diese kurzen Intervalle ermöglichen überhaupt die schnelle Reaktion auf aktuelle Entwicklungen und Trends in den Bereichen Rechtsprechung, Gesetzgebung und Kanzleipraxis.
  • Themen
    Neben den bereits erwähnten Themenbereich erfahren die Leser in den einschlägigen Fachzeitschriften viel über die Aktivitäten der Berufsorganisationen, der Kammern, Vereine und Verbände. Es finden sich viele Beiträge zu Seminaren, Weiterbildungsveranstaltungen und sonstigen berufsinternen Informationen.
  • Diskussion
    Aktuelle Themen in Rechtsprechung und Gesetzgebung werden aufgegriffen und in verschiedenen Rubriken dargestellt. Renommierte Autoren kommentieren und argumentieren. Bei Reformvorhaben von Bund und Land werden Pro und Contra kritisch abgewogen und die Auswirkungen auf die Rechtspraxis bewertet. Standpunkte werden ausgetauscht und durchaus kontrovers diskutiert.
  • Tipps und Trends
    Viele Fachzeitschriften legen mittlerweile den Schwerpunkt auf Veröffentlichung von praxistauglichen Informationen. Hier steht der Kanzleialltag mit seinen typischen Abläufen und Problemen im Mittelpunkt. Fachlich kompetente Autoren vermitteln hier Tipps und Tricks z. B. für eine effektive Gebührenabrechnung oder Vollstreckung, aber auch Strategien für eine erfolgreiche Kanzleiführung.

Diese positiven Merkmale von Fachzeitschriften lassen sich sicher nicht wegdiskutieren. Genauso wenig aber auch die rasch fortschreitende Digitalisierung im Bereich der juristischen Fachmedien. Viele der bedeutenden Zeitschriften sind bereits jetzt in Datenbankportalen eingebunden oder einzeln als Online-Version zu beziehen. Der enorme Wert für den Nutzer besteht hier in der direkten Verlinkung aus dem Zeitschriftenartikel auf die darin genannte Fundstelle. Komfortabler geht es kaum.

Trotzdem behaupten sich die Print-Ausgaben weiterhin auf dem Markt. Die Frage ist nur: wie lange? Das Fortschreiten der elektronischen Medien ist unaufhaltsam und sicher auch gewünscht. Dennoch gibt es breite Teile der Anwaltschaft, die weiterhin Zeitschriften abonnieren, nicht nur weil der Gesetzgeber es unter Umständen vorschreibt. Sicher ist eine gewisse „Marktbereinigung“ sichtbar, d. h. die ein oder andere Fachzeitschrift hat ihr Erscheinen eingestellt, aber dennoch bin ich der Ansicht, dass Zeitschriften sich derzeit noch nicht wegzudenken sind.

Oder sind Sie da anderer Meinung? Sind Zeitschriften für Sie nur noch lästig, weil sie ungelesen große Teile Ihres Schreibtisches okkupieren? Oder haben Sie weiterhin einen Mehrwert für Sie? Ich bin gespannt auf Ihre Standpunkte.