„Chatbots können die Erstkommunikation mit dem Mandanten übernehmen“

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Sie heißen Alexa oder Siri und begegnen uns immer häufiger in unserem Alltag. Dem
spannenden Thema der Legal Chatbots widmet sich unter anderem die Legal Tech
Tour von Soldan und Wolters Kluwer Deutschland, die am 8. und 9. November 2018
zu den Pionieren der Szene nach Berlin führt. Was diese Systeme bereits leisten
können – darüber berichtet Patrick Prior. Er ist Jurist, Legal Tech-Experte,
Inhaber der Legal Tech-Beratungsfirma Advotisement® und des Legal Tech Verzeichnisses.

Was sind eigentlich Chatbots?

Patrick Prior: Chatbots sind Messenger-Systeme. Häufig funktionieren sie über Plattformen wie Whatsapp oder Facebook. Es gibt aber auch selbst entwickelte Systeme, die über die eigene Homepage laufen. Von Legal Chatbots spricht man, wenn diese Systeme im Rechtsmarkt eingesetzt werden.

Werden Legal Chatbots schon erfolgreich in der Praxis eingesetzt?

Patrick Prior: Der erste Legal Chatbot wurde 2014 von dem damals 19- jährigen Engländer Joshua Browder programmiert. Er entwickelte eine Softwarelösung, um automatisiert Widerspruch gegen Strafzettel wegen Falschparkens bei der zuständigen Behörde einzulegen – mit großem Erfolg. Nach nur wenigen Monaten hatte er mit seinem
Chatbot „DoNotPay“ mehr als 160.000 Strafzettel mit einer Summe von vier Millionen
Euro Bußgeldern abgewehrt. Später wurde sein Chatbot in England und den USA
erweitert, etwa auf Entschädigungen bei Flugausfällen. Auch in Deutschland gibt es
eine erste Legal Chatbot-Anwendung, den Ratisbot von der Kanzlei Ratis in Passau.
Er hilft bei Flugausfallentschädigungen und bei arbeitsrechtlichen Kündigungen.

Wie funktioniert die Kommunikation mit dem Chatbot?

Patrick Prior: Der Chatbot fragt einige Daten bei den Nutzern ab und bittet sie, vordefinierte Fragen zu beantworten. Die Chatbots „DoNot-Pay“ oder „Ratisbot“ erstellen aufgrund dieser Eingaben automatisiert ein Dokument, welches der Nutzer downloaden und
ausdrucken kann, um es an die entsprechenden Stellen zu versenden.

Das klingt faszinierend. Wo sehen Sie die Einsatzmöglichkeiten für Chatbots in der
Kanzlei?

Patrick Prior: Ich denke, dass Chatbots in den nächsten Jahren vor allem in der
Erstkommunikation mit dem Mandanten zum Einsatz kommen werden. Die Nutzer
können ihre Anfrage und Daten rund um die Uhr in das System eingeben und unter
Umständen bereits automatisiert erste Hilfe erhalten. Das kann zum Beispiel ein
Dokument sein, um bei Kündigungen fristwahrend Widerspruch einzulegen oder es
können einfache Fragen, ähnlich einer F.A.Q., bereits beantwortet werden.
Ein zweites Einsatzgebiet für Chatbots in der Kanzlei sehe ich derzeit in der
Recherche: Die Anwältin oder der Anwalt lassen sich Fundstellen vorschlagen und
können sie im Chat immer weiter eingrenzen.

Kann der Chatbot bald die Rechtsanwältin oder den Rechtsanwalt ersetzen und
selbständig Rechtsrat erteilen?

Patrick Prior: Sicherlich werden Chatbots mit dem fortschreitenden Einsatz von Künstlicher Intelligenz und Machine Learning immer mehr Arbeiten des Anwalts übernehmen. Sie werden ihn aber meiner Meinung nach in absehbarer Zeit auf keinen Fall
ersetzen. Vor allem, was den Einsatz in Deutschland anbelangt, bin ich skeptisch:
Der Chatbot muss nicht nur die deutsche Sprache beherrschen, sondern auch die
deutschen Gesetze kennen. Um diese Entwicklung voranzutreiben müsste hier sehr
viel Geld investiert werden. Ich glaube vielmehr, dass Chatbots mittelfristig eher das
Sekretariat in vielen Teilen ersetzen werden.

Das komplette Programm der Legal Tech Tour am 8. und 9. November sowie die Möglichkeit zur Anmeldung unter www.soldan.de/legal-tech-tour

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